Irland Kultur

Irischer Aberglaube: Geschichten aus Irland

Irischer Aberglaube
Written by Nadja Uebach

Dem ein oder anderen Aberglauben begegnet wohl jeder früher oder später in seinem Leben. Neben den allseits bekannten Annahmen, dass Freitag der 13. sowie Begegnungen mit schwarzen Katzen Unglück bringen, hat jedes Land und oft jede Region ihre eigenen sogenannten Volksglauben. Mit der reichen Kultur, die tief in den keltischen Mythen und Legenden des Landes verwurzelt ist, verwundert es kaum, dass die Grüne Insel bis heute von einem besonders abergläubischen Volk besiedelt wird. Irischer Aberglaube hat viele Gesichter und fast jede alltägliche Situation kann auf der kleinen Insel als gutes oder böses Omen gedeutet werden.

Einige besonders beliebte und skurrile Aberglauben, die bei vielen Iren auch heute noch Bestand haben, stellen wir euch in diesem Beitrag vor!

Irischer Aberglaube: Omen des Glücks

Es gibt natürlich nicht nur Volksglauben, die den Beginn einer Pechsträhne markieren oder den Tod ankündigen. Im Gegenteil, irische Aberglauben bringen mindestens genauso oft Glück.

1. Die Statue des Prager Jesuskind für Sonnenschein

Ein verlässliches Mittel für gutes Wetter zu haben, wäre in Irland sicherlich oft praktisch. Viele Inselbewohner schwören dafür auf kleine Statuen des Prager Jesuskinds, allerdings wirkt das nur für Hochzeiten.

Heiratswillige stellen die Statue demnach vor der Hochzeit in ihren Garten, um das schlechte Wetter für den Tag der Eheschließung zu vertreiben!

2. Eine Münze bringt Glück

Früher, als die Währung auf der Grünen Insel noch das Irische Pfund war, spielte der Halfpenny eine große Rolle. Er diente nicht nur als Namensgeber der berühmten Ha’Penny Bridge in Dublin, deren Wegzoll mit einem Halfpenny beglichen wurde; sondern brachte den Menschen Glück.

Wer demnach einen Halfpenny auf der Straße fand, musste diesen Aufheben und als Glücksbringer bei sich tragen. Vielen Erzählungen nach, musste die Münze dafür im Schuh aufbewahrt werden. Heutzutage gibt es keine Halfpennys mehr, allerdings stört das die Iren kaum. Denn es heißt nach wie vor: Wer eine Münze findet und diese auf dem Boden liegen lässt, geht an seinem Glück vorbei.

Irischer Aberglaube: 3. Juckende Handflächen

Ob eine juckende Handfläche etwas Gutes oder Schlechtes bedeutet, hängt davon ab, welche Hand juckt. Ist die linke Hand betroffen, darf man sich freuen, denn dann steht ein Geldsegen ins Haus. Um bei diesem irischen Aberglauben auf Nummer Sicher zu gehen, sollte man am besten noch auf die juckende Stelle spucken.

Juckt jedoch die rechte Handfläche, wendet sich das Blatt. Denn das verheißt, dass man bald eine große Rechnung begleichen muss, oder einem auf anderem Wege Geld abhandenkommen wird. Leider hilft dagegen auch die Spucke nicht.

4. Das vierblättrige Kleeblatt

Das Kleeblatt mit seinen vier Blättern ist unter Glücksbringern wohl ein echter Klassiker. Kein Wunder also, dass es auch in dem Land, in dem das Kleeblatt als Nationalsymbol gilt, eine große Rolle spielt.

Allerdings gelten auch hier wieder bestimmte Regeln. Wer tatsächlich ein vierblättriges Kleeblatt findet, soll es fortan bei sich tragen und hat damit seine eigene Glückssträhne in der Tasche. Allerdings darf er es niemandem zeigen und niemandem davon erzählen, ansonsten macht er das Glück zunichte.

5. Vogeldreck bringt Glück

Wer schon einmal vom Vogeldreck aus der Luft getroffen wurde, weiß, dass das eher eine unangenehme Erfahrung ist. In Irland jedoch, ist das ein Grund, sich zu freuen. Denn auf der kleinen Insel bringt Vogelschiss Glück. Dabei ist es übrigens egal, ob man selbst getroffen wird oder der Dreck auf dem Auto landet.

Irischer Aberglaube: 6. Kleidung auf Links

Jemandem zu begegnen, der am Morgen seinen Pullover oder seine Hose aus Versehen auf Links angezogen hat, sorgt fast überall für heimliches Gelächter oder verwunderte Blicke.

Auf der Grünen Insel jedoch soll es Glück bringen. Dafür ist es allerdings unerlässlich, dass die Kleidung unabsichtlich falsch herum angezogen wurde. Zudem sollte man diesen Fehler im Laufe des Tages nicht berichtigen, denn das würde wiederum Unglück bringen.

7. Salz vertreibt böse Mächte

Geschichten von bösen Geistern gibt es in der irischen Mythologie so einige. Es ist also kaum verwunderlich, dass sich der irische Aberglaube mit der Vertreibung dieser unheimlichen Mächte beschäftigt.

Wer sich von dunklen Mächten oder sogar dem Teufel selbst verfolgt fühlt, sollte eine Prise Salz hinter seine linke Schulter werfen, wo das Böse angeblich lauert. Das Salz irritiert die unheimlichen Geister und sorgt dafür, dass sie sich von einem abwenden.

8. Der siebte Sohn eines siebten Sohns

Früher waren die Familien in Irland sehr groß. Mehr als sieben Kinder zu haben war damals keine Seltenheit. Wer jedoch als siebter Sohn einer Familie, selbst einen Sohn, als sein siebtes Kind begrüßte, kann sich glücklich schätzen. Denn der siebte Sohn eines siebten Sohns hat besondere Fähigkeiten, vor allem wenn es um das Heilen von Krankheiten geht.

Wichtig dabei ist allerdings, dass weder in der Familie des ersten siebten Sohnes noch in der nächsten Generation Mädchen zur Welt kommen!

Irischer Aberglaube: 9. Begegnungen mit Trauerzügen

Wenn es um den Tod und Beerdigungen geht, haben die Iren unzählige wichtige Traditionen zu denen sich unter anderem auch Aberglauben gesellen. So soll jeder, der einem Trauerzug begegnet, die Trauernden mindestens vier Schritte lang begleiten.

Das ist nicht nur ein Zeichen von Respekt, sondern soll auch persönliches Unglück abwenden.

10. Funkensprühendes Feuer

Fast jedes Haus in Irland hat einen Kamin und in den Dörfern hängt im Herbst und Winter der typische Torfduft brennender Feuer in der Luft.

Wer sich jedoch in kalten Nächten am eigenen Kamin wärmt, der hofft darauf, dass das Feuer Funken sprüht. Denn das bedeutet, dass ein Geldsegen ins Haus steht. Je mehr Funken sprühen, desto größer fällt dieser Geldsegen angeblich aus!

11. Das Kreuz auf dem Sodabrot

Das typisch runde irische Sodabrot wird vor dem Backen mit einem Kreuz versehen, das sich in die Kruste einbackt und dafür sorgt, dass der Teig aufgeht. Allerdings ist das nicht der einzige Grund, warum der Bäcker das Zeichen in den Laib schneidet.

Denn das Kreuz auf dem Brot lässt den Teufel, böse Geister oder in manchen Fällen auch die Feen aus dem Teig entweichen, sodass das Brot ein Unglücks-freier Genuss ist.

12. Besteck auf dem Boden

Egal, ob beim Tischdecken, Essen oder Abräumen – Besteck geht gerne mal mit lautem Klirren zu Boden. Was in Deutschland als kleines Missgeschick betrachtet wird, dem man keine weiteren Gedanken zuwendet, kündigt in Irland Besuch an.

Demnach erhält derjenige, dem ein Messer auf dem Boden fällt im Anschluss Besuch von einem Herren. Wenn eine Gabel herunterfällt, dann steht Frauenbesuch ins Haus. In manchen Regionen, ist es auch der Löffel, der eine Dame ankündigt.

Irischer Aberglaube: Zeichen des Unglücks

1. Eine juckende Nase

Während man in Deutschland eine juckende Nase oft als Zeichen dafür deutet, dass jemand anderes an einen denkt, so wird der Juckreiz an der Nase auf der Grünen Insel mit etwas ganz anderem in Verbindung gebracht. In Irland kündigt ein Jucken des Riechorgans tatsächlich einen drohenden Streit an.

2. Begegnung mit einsamen Elstern

Wer schon einmal einen Iren dabei beobachtet hat, wie er einer einsamen Elster winkt, ist Zeuge von einem der am weitesten verbreiteten irischen Aberglauben geworden.

Laut einem Kinderreim bringen einzelne Elstern Unglück. Um dieses zu vermeiden, verabschiedet man sich von den Vögeln mit einem höflichen Winken oder wahlweise auch Kopfnicken. Anders sieht es übrigens mit zwei Elstern aus, die sollen nämlich das Glück im Gepäck haben.

3. Das Rotkehlchen als Bote der Toten

Das Rotkehlchen hat in Irland mehrere Bedeutungen. Zum einen glauben viele der Inselbewohner, dass die Vögel mit der roten Brust den Tod eines geliebten Menschen ankündigen, wenn sie ins Haus fliegen oder mit ihrem Schnabel ans Fenster klopfen.

Falls einem allerdings ein Rotkehlchen mehrere Minuten lang folgt, ohne Scheu zu zeigen; bedeutet das, dass ein bereits verstorbener geliebter Mensch in der Nähe ist. Zudem heißt es, wer einen dieser Vögel gefangen nimmt oder ihm sogar etwas antut, wird für den Rest seines Lebens unglücklich sein.

4. Ringforts gehören Feen

Auf der Grünen Insel gibt es unzählige Ringforts, die von den Menschen in der Vergangenheit als besonders geschützte Wohnorte genutzt wurden. Die kreisförmigen Anlagen verfügen häufig über kleine Tunnelsysteme, die entweder zum Lagern von Lebensmitteln oder als Fluchtwege vor Angreifern verwendet wurden.

Allerdings heißen diese Ringforts im Volksmund seit eh und je Fairy Forts und sollen die Orte sein, an denen die Feen leben. Wer eines dieser Fairy Forts respektlos behandelt, Zweige abbricht, darin gräbt oder die Anlage in irgendeiner Art und Weise zerstört, wird daraufhin vom Pech verfolgt. Es gibt zahlreiche Geschichten über Familien, die über Generationen hinweg ein Leben in Elend führen musste, weil ein Vorfahre die Feen gestört hat. Diesem Aberglauben folgen die meisten Iren bis heute!

Irischer Aberglaube: 5. Neue Schuhe auf Bett oder Tisch

Dass neue Schuhe nicht auf den Tisch oder das Bett gehören, weiß eigentlich jeder. Doch auf der Grünen Insel beschert es einem sogar jede Menge Unglück, wenn man ein Paar neue Schuhe auf den Tisch stellt oder auf dem Bett ablegt.

Dieser Aberglaube stammt aus der Zeit, in dem Schuhe nach dem Tod weitergegeben wurden. Diese Schuhe waren für ihren neuen Träger zwar „neu“; doch da sie von einem toten Menschen übernommen wurden, war es umso wichtiger, sie auf dem Boden stehen zu lassen.

6. Besucher dürfen nur eine Tür benutzen

Die traditionellen irischen Cottages haben neben der Eingangstür außerdem eine Hintertür, die zumeist in den Garten oder in eine Seitenstraße führt. Wer sicherstellen will, dass einem das Glück nicht von Besuchern aus dem Haus getragen wird; der sorgt dafür, dass sein Haus durch dieselbe Tür wieder verlassen wird, durch die der Besucher eingetreten ist.

7. Der Kamm der Banshee

Die Banshee ist auf der Grünen Insel als die Todesfee bekannt. Wer ihren markerschütternden Schrei hört, kann sich sicher sein, dass es schon bald einen Todesfall in seinem Umkreis geben wird.

Allerdings ist die Banshee nicht nur für ihren Schrei berüchtigt, sondern auch für ihren Kamm. Den lässt sie für nichtsahnende Bürger auf dem Erdboden zurück. Wer also einen verlorenen Kamm auf dem Boden findet, sollte diesen nicht aufheben. Immerhin bedeutet es den sicheren Tod, den Kamm der Banshee an sich zu nehmen.

Irischer Aberglaube: 8. Weißdornblüten bringen Tod

Weißdorn wird in der Mythologie schon lange mit dem irischen Feenvolk in Verbindung gebracht. Irische Farmer hüten sich davor einen Weißdornbusch zu fällen, und in Nordirland gibt es sogar ein Wohngebiet, das um einen dieser Feenbäume herum gebaut wurde.

Allerdings reicht es dem Volksglauben nach schon aus, die Blüte des Weißdorns abzuschneiden. Wer die blühenden Zweige dann auch noch in sein Haus bringt, zieht den Zorn den Feen auf sich. Die Strafe dafür: Der Tod!

9. Begegnungen mit rothaarigen Frauen

Wenn es um Klischees des Aussehens eines typischen Iren geht, liegen rote Haare ganz weit vorn. Und tatsächlich haben viele Bewohner der Grünen Insel rötliche Haare. Im Aberglauben bedeutet das jedoch nichts Gutes.

Im Gegenteil, wer am Morgen einer rothaarigen Frau begegnet, der kann eigentlich gleich wieder ins Bett gehen, denn er wird den gesamten Tag lang vom Unglück verfolgt werden.

10. Autos auf Beerdigungen zählen

Da es bei diesem irischen Aberglauben um Autos geht, scheint er noch nicht so alt zu sein. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass es früher anstatt um Autos, um Kutschen oder einfach um Fußgänger ging.

Demnach soll man bei einem Trauerzug nie die Autos zählen, die einem Leichenwagen folgen. Wer es doch tut, der wird nur noch so viele Jahre leben, wie er Autos gezählt hat.

Irischer Aberglaube: 11. Keine Fragen für den Fischer

Weltweit gibt es unzählige Volksglauben, die sich um die Fischerei und die Seefahrt ranken. Angefangen von der „Tatsache“, dass es Unglück bringen soll, wenn ein Seemann schwimmen kann oder gar eine Frau an Bord eines Schiffes ist.

Skurril ist jedoch dieser für Irland typische Aberglaube, einen Fischer nie zu fragen, wo er hingeht. Denn damit handelt sich nicht nur der Fragesteller eine Pechsträhne ein. In manchen Regionen bedeutet das auch, dass der Fischer an diesem Ort sterben wird.

12. Im Mai nicht streichen

Wer in Irland eine Wand streichen möchte, kann das fast das ganze Jahr über tun. Genau genommen in 11 Monaten des Jahres. Denn im Monat Mai sollte man eine Streichpause einlegen, um Unglück zu vermeiden.

Woher dieser Aberglaube kommt, ist unklar. Allerdings liegt es nahe, dass er, wie viele andere, bei den Feen seinen Ursprung nahm. Die sollen nämlich im Mai aktiver sein als in den restlichen Monaten des Jahres.

Über den Autor

Nadja Uebach

Da ich seit dreizehn Jahren auf der grünen Insel lebe, bedeutet Irland für mich in erster Linie Alltag. Wenn ich nicht mit meinem Laptop bewaffnet in einem Café oder Zuhause sitze und schreibe, findet man mich höchstwahrscheinlich mit meinen drei Kindern am Strand. Die Natur, die Kultur und insbesondere die Menschen sorgen dafür, dass sich in unseren Alltag immer wieder ein bisschen Magie einschleicht. Diese besondere irische Alltagsmagie versuche ich in meinen Texten in Worte zu fassen.

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