Dublin Sehenswürdigkeiten

Das National Wax Museum Plus in Dublin

National Wax Museum Plus Dublin
Written by Jessica Heiber

Mit Samuel Beckett einen Whiskey trinken. Dem gefürchtetsten Drachen aller Legenden ins Maul schauen. Sich einen Weg durch ein Spiegellabyrinth bahnen. Die eigene Hand in Wachs baden. Und vor Hannibal Lecter davonlaufen – das alles könnt Ihr im grandiosen National Wax Museum Plus im Herzen von Dublin.

Irlands erstes Wachsfigurenmuseum

Diese Attraktion ist etwas für die ganze Familie. Auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern erstreckt sich über drei Ebenen ein interaktives Erlebnis, das man so schnell nicht mehr vergisst. Wir tauchen ein in die turbulente Geschichte Irlands und finden uns am Ende sogar in einem Zauberwald wieder.

Die Anfänge des Wachsmuseums in der Granby Row

Seit fast 40 Jahren erfreut das National Wax Museum in Dublin kleine und große Besucher aus aller Welt mit seinen vielseitigen Attraktionen. Das Museum wurde im Jahr 1983 von Lord Mayor von Dublin eröffnet und befand sich damals noch in der Granby Row, nahe des Parnell Square. Es war eine aufregende Neuheit in der Stadt und bildete mit dem Riesen Cú Chulainn, der die Seite des Gebäudes erklimmt, einen einzigartigen Hingucker.

Der Legende nach bekämpfte Cú Chulainn die Armee von Königin Meave, die im County Sligo begraben liegen soll – den Blick stets zu ihren Feinden gerichtet. In der Schlacht wurde er tödlich verwundet und soll sich an einen Stein gebunden haben, um aufrecht stehen zu bleiben. Damit täuschte er die sich nähernden Feinde. Erst nach einigen Tagen, als ein Rabe auf ihm landete, erkannte man, dass er tot war.

Umzug in den Foster Place

Mit über 13.000 Quadratmetern  auf vier Etagen vergrößerte sich das Wachsmuseum bei seinem Umzug in die ehemalige Waffenkammer enorm. Foster Place galt schon damals als historisches Wahrzeichengebäude Dublins. Um die Jahrhundertwende beherbergte die ehemalige Waffenkammer auch Irlands Goldladen. Das Wachsmuseum hauchte den alten Kellern mit ihren Banktresoren und schweren Türen neues Leben ein, indem es Touristen die Geschichte und Mythologie Irlands näherbrachte.

Neuanfang im Lafayette Building

Im Jahr 2017 zog das National Wax Museum in das Lafayette Building in der Westmoreland Street. Die Attraktion wurde komplett umgestaltet und bietet seitdem ein einzigartiges, interaktives Besuchererlebnis. Nachdem das Museum einige Jahre geschlossen hatte, war es Zeit für einen Neuanfang. Die alten Lieblinge wurden beibehalten und durch zahlreiche neue Attraktionen ersetzt. Nun war das Museum plötzlich viel mehr als Wachs, weshalb man es umbenannte.

Das National Wax Museum Plus

Neben den beliebten Wachsfiguren bietet das Museum seit 2017 auch ein Zeitgewölbe der irischen Geschichte. Besucher können Irlands kulturelles Erbe hautnah erleben, indem sie auf historische Persönlichkeiten wie Oscar Wilde treffen.

Der Writers Room

Photo by Jessica Heiber

Literaturbegeisterte kommen hier voll auf ihre Kosten. In diesem Raum sind alle Größen der irischen Literaturwelt vereint. Einer der bedeutendsten literarischen Legenden Irlands ist und bleibt James Joyce, der mit seinem weltberühmten Werk Ulysses in die Geschichte einging. Am 16. Juni feiert Dublin jährlich den Bloomsday, an dem in der ganzen Stadt Ereignisse aus dem Werk dargestellt werden.

Auch Samuel Becket ist im Great Writers Room zu finden. Er ist die bestgelungene Nachbildung aller Autoren. Fast lebensecht steht er vor uns und mustert uns mit kritischem Blick. Dem Nobelpreisträger für Literatur wurde sogar eine Brücke gewidmet. Die große umgekippte Harfe spannt sich bei den Docklands im Norden über die Liffey.

Der sympathische Lebemann Oscar Wilde lümmelt auf der Lehne eines Stuhls im hinteren Teil des Raumes. Er ist der bekannteste und zugleich umstrittenste Schriftsteller Irlands. Neben Werken wie „Das Bildnis des Dorian Gray“ ging Wilde vor allem durch seine unzähligen Eskapaden in die Geschichte ein.

Photo by Jessica Heiber

William Butler Yeats war ein revolutionärer Dichter. 1923 erhielt er als erster Ire den Nobelpreis für Literatur. Er gründete mit Lady Gregory und Edward Martyn das Irish Literary Theatre, aus welchem 1904 das Abbey Theatre hervorging, welches später zum irischen Nationaltheater wurde.

Seán O’Casey machten seine Darstellungen der Armut in Dublin sowie seine Anti-Kriegs-Dramen zu einem bekannten Dramatiker des 20. Jahrhunderts.

Mit George Bernard Shaw lohnt sich ein Selfie allemal. Auch er gewann den Nobelpreis für Literatur und erhielt den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch.

Irlands Geschichte

Photo by Jessica Heiber

Der Rundgang führt uns in den Keller des Gebäudes, wo wir in Irlands bewegte Vergangenheit abtauchen. Über die blutrünstige Zeit der Wikinger, die Dublin gründeten, bis hin zu den berüchtigten Hungerjahren, erleben wir Irlands Geschichte hier hautnah. Die Bild -und Tonelemente auf dieser Ebene verstärken den positiven, aber bisweilen auch erdrückenden Eindruck, sich mitten im Geschehen zu befinden.

Natürlich darf hier der berühmte St. Patrick nicht fehlen, der den katholischen Glauben nach Irland brachte und der Legende nach zusammen mit den letzten Heiden auch alle Schlangen von der Grünen Insel vertrieb.

Die Kammer des Horrors

Photo by Michael Jirschik

Dieser Teil des Museums ist nichts für schwache Nerven. Er beherbergt die gruseligsten Gestalten aus Literatur und Film. Durch die visuellen Effekte von der schwarzhaarigen Frau aus The Ring, die plötzlich im Spiegel erscheint bis zu der furchteinflößenden Puppe aus Saw auf dem Dreirad, kennt das Schrecken hier kaum ein Ende.

Wir betreten Hannibal Lecters blutige Küche aus Schweigen der Lämmer und schleichen auf Zehenspitzen an Graf Dracula vorbei. Man weiß ja nie. Alles an diesem Teil des Wachsmuseums erinnert an ein Gruselkabinett aus den schlimmsten Albträumen und ist ein wahres Mekka für alle Fans von Horror und Grauen.

Reich der Fantasie

Photo by Michael Jirschik

Photo by Michael Jirschik

Man atmet beinahe auf, wenn man die Treppen in die oberen Etagen erklimmt. Hier kommen nicht nur Kinder, sondern auch Fantasy-Fans voll auf ihre Kosten. Neben den Turtles begrüßen uns auch die gelbgesichtigen Simpsons. Wir tauchen ein in das düstere Gotham, wo wir Batman und dem Joker begegnen. Ich verwandle mich wieder in ein kleines Mädchen, als ich endlich meine Hausaufgaben in Hogwarts für Mad-Eye Moody erledigen darf und einen Flug auf einem Besen unternehmen kann.

Dieser Raum ist der absolute Höhepunkt der Tour durch das Museum. Auf die Kleinsten wartet hier Bob der Baumeister und sogar der Weihnachtsmann. In vier Jahreszeiten erleben wir unsere Lieblingskinderhelden hautnah und haben das Gefühl, ein lang gehegter Traum geht in Erfüllung. Es ist wie eine Art eigenes kleines Disneyland.

Wissenschaft, die Wissen schafft

Photo by Michael Jirschik

Irland brachte einige engagierte Wissenschaftler und Erfinder hervor. Ihre Erfindungen kann man in diesem Bereich des Waxmuseums bewundern und selbst austesten. Mit interaktiven Touchscreenen erwecken wir den Raum zum Leben und müssen dabei noch höllisch aufpassen, nicht von einem Tyrannosaurus Rex gefressen zu werden.

The Great Hall of Fame

Photo by Michael Jirschik

Jetzt ist Selfie-Zeit! Dieser Bereich dürfte der Liebling aller großen Kinder sein! Endlich kann man nach Herzenslust mit seinen Idolen posen. Hier findet ihr Popsänger wie Ronan Keating oder Michael Jackson. Für alle Sportbegeisterten wartet hier natürlich auch der ein oder andere Superstar.

Ein weiteres großes Highlight ist das Tonstudio, in dem Besucher des Museums selbst Hand anlegen können.

Father Ted

Father Ted war eine beliebte Sitcom aus den 90er Jahren. Sie handelte von drei Priestern , die auf der fiktiven Insel Craggy Island vor der Westküste Irlands leben. Mit der satirischen Betrachtung des Priestertums und der katholischen Kirche nahm die Serie eine Vorreiterrolle in Irland ein. Sie war so beliebt, dass es einer der Pfarrer bis zur Wachsfigur gebracht hat – Father Ted.

Er erwartet uns in einem authentischen, irischen Raum mit verschränkten Armen und leicht zur Seite geneigtem Kopf. Sein Mund scheint streng und skeptisch, aber wenn man genauer hinsieht, erkennt man den Schalk aus seinen Augen hervor blitzen.

Wachshände

Im Souvenirladen des Museums könnt Ihr Euch am Ende Eurer Tour eine einzigartige Erinnerung an Euren Besuch erschaffen, indem ihr Eure eigene Hand in Wachs bannt. Ihr könnt aus verschiedenen Farben wählen und eure Wachshand für 10 Euro sogar in eine coole Lampe verwandeln lassen.

Möglich macht das die sogenannte Wax Master Machine. Sie besteht aus zwei Becken mit kaltem Wasser, einem großen Topf mit heißem Silikonwachs und sechs kleinen Töpfen mit heißem Farbwachs. Wählt zuerst die gewünschte Handposition aus, also zum Beispiel das Peace-Zeichen. Dann taucht ihr Eure Hand in kaltes Wasser. Anschließend taucht Ihr die Hand ins heiße Wachs. Ein Mitarbeiter wischt das überschüssige Wachs ab und wiederholt den Vorgang mit euch viermal. Anfangs fühlt es sich an, als ob ihr die Hand in ein heißes Bad taucht, doch mit jedem Vorgang wird die Wärme weniger intensiv, da sich auf Eurer Haut eine Schutzschicht bildet. Als nächstes wird zwischen der Hand und dem Wachs eine Lufttasche erzeugt, die ein Abrutschen und einen Abdruck der Hand ermöglicht. Fertig ist Euer individuelles Wachs-Souvenir!

Fazit

Photo by Michael Jirschik

Ein Besuch in dem National Waxmuseum Plus ist bei einem Besuch in Dublin Pflicht! Während wir neben Figuren wie Golum oder dem größten Mann Irlands posten, haben wir uns buchstäblich gebogen vor Lachen. Dieses Museum ist etwas für alle kleinen und großen Kinder.

Nehmt euch die Zeit für Albernheit – das Leben ist schon ernst genug oder um es mit George Bernard Shaws Worten zu sagen: Das Leben hört nicht auf, komisch zu sein, wenn Leute sterben, so wenig, wie es aufhört, ernst zu sein, wenn Leute lachen.

  • Hier findet Ihr weitere Informationen zu den Öffnungszeiten und Preisen des Wachsmuseums in Dublin

 

 

 

Über den Autor

Jessica Heiber

Wenn es wahr ist, dass wir schon einmal gelebt haben, dann war mein Zuhause definitiv Irland. Seit meiner Jugend zog mich ein undefinierbarer Sog auf die Grüne Insel, doch erst 2017 konnte ich meinen Traum, einer Irlandrundreise wahrmachen. Seitdem ist der Sog nur noch stärker geworden. Wenn es regnet, denke ich an Irland. Im Pub kann es für mich nur Guinness sein. Laute Musik, Geschichten und Gesseligkeit gehören für mich zum Glücklichsein. Im Herzen bin ich eine waschechte Irin.

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