Wandern in Irland

Macgillycuddy’s Reeks – Wandern in Irlands mächtigstem Gebirge

Macgillycuddy's Reeks
Neil Saad
Written by Neil Saad

Jeden motivierten Wanderer auf der Grünen Insel zieht es früher oder später in das County Kerry. Dort, unweit des Killarney Nationalparks, erhebt sich Irlands mächtigstes Gebirge: Die Macgillycuddy’s Reeks. In ihrem Zentrum steht der Carrauntoohil, der höchste Berg Irlands. Die Macgillycuddy’s Reeks sind ein Terrain, in dem sich erfahrene Wanderer nach Herzenslust austoben können. Dabei stellen die höchsten Berge Irlands hohe Anforderungen an Kondition und vor allem an die persönlichen Fähigkeiten. Zwar sind The Reeks insbesondere in den Sommermonaten gut besucht und die Pfade entsprechend ausgetreten. Doch insbesondere an wolkenverhangenen Tagen sind gute Navigationskenntnisse unerlässlich. Zudem fordert das steile und großteils steinige Terrain gutes, eingelaufenes Schuhwerk.

In der Winterzeit ist es um ein Vielfaches anspruchsvoller in den MacGillycuddy’s Reeks zu wandern. Die Berge sind dann die einzigen auf Irland, die einen alpinen Charakter bekommen. Bestimmte Passagen sind dann ausschließlich mit entsprechender Ausrüstung wie Schneekrampen und einer Eisaxt zu bewältigen.

Unerfahrene und gelegentliche Wanderer erkunden Irlands Vorzeigegebirge am besten auf einfachen Routen oder mit einem lokalen Wanderguide. Dazu empfiehlt es sich, während der Frühjahrszeit und Sommermonate auf Wanderung zu gehen. In dieser Zeit gibt es ausreichend Tageslicht, der Untergrund ist gut begehbarer und das wechselhafte, irische Wetter hat häufiger ein Einsehen mit Wanderlustigen. Eine kleine Auswahl möglicher Wanderrouten stellen wir Euch in diesem Artikel vor.

Die Macgillycuddy’s Reeks

Die Macgillycuddy’s Reeks sind ein Gebirgszug im Südwesten Irlands. Angrenzend an den Killarney Nationalpark erheben sich die Berge bis zu 1.038 Meter in luftige Höhen. Die Verbindungen zwischen ihren Gipfeln sind häufig schmale, steinige Grate. Aufgrund dieser geologischen Beschaffenheit ist es durchaus anspruchsvoll, in den MacGillycuddy’s Reeks zu wandern und körperlich herausfordernd.

Zwischen den Bergen eingebettet liegen zahlreiche Bergseen.Der Coomloughra Lough im Westen sowie der Augher Lake und der Black Lake im Gap of Dunloe sind die bekanntesten Seen unter ihnen. Zudem ist das Gap of Dunloe ein auch bei Nicht-Wanderern bekannter Ort der Region. Das lange Tal trennt die Reeks vom Killarney Nationalpark ab. Auch in diesem, Irlands ältesten Nationalpark gibt es schöne Wanderungen. Mehr lest Ihr in unserem Artikel im Killarney Nationalpark wandern. Die südliche Grenze des Bergmassivs bilden die beiden ebenfalls populären Täler Black Valley und Bridia Valley.

Der umständliche Name des Gebirges rührt von einem irischen Clan her. Die MacGillycuddys siedelten angeblich ab dem 7. Jahrhundert in der bergigen Region der heutigen Grafschaft Kerry. Dagegen lautet der irische Name des Gebirges Na Cruacha Dubha. Ins Deutsche Übersetzt bedeutet dies “Die schwarzen Haufen”. “Haufen” leutet im Englischen rick. Die Iren wiederum übernahmen dies als reek. Dieselbe Namensherkunft ist bei Irlands heiligem Berg, dem Croagh Patrick bekannt. Dessen Spitzname lautet ebenfalls The Reek.

Im Gap of Dunloe wandern

Gap of Dunloe, Killarney National Park

Gap of Dunloe, Killarney National Park, Co. Kerry (Irland), Fotograf: Chris Hill | Creating Agency: Tourism Ireland

Das Gap of Dunloe bildet die östliche Grenze des Gebirges. Für Wanderungen in den MacGillycuddy’s Reeks bietet sich das Tal als guter Ausgangspunkt an. Im Osten ragt der Purple Mountain empor, im Westen die beiden Berge Cnoc na Bráca und Cnoc na dTarbh.

Purple Mountain (15 Kilometer Rundwanderung)

Der Purple Mountain (832 Meter) zählt nicht zu den Reeks. Er grenzt das Gebirge und das Gap of Dunloe von den Seen von Killarney ab. Dennoch ist er eine lohnenswerte Wanderung ausgehend vom Gap of Dunloe. Es ist möglich, sowohl vom Südende des Tals als auch vom Nordende bei Kate Kearney’s Cottage auf den Berg zu wandern. Somit ergibt sich eine fünfzehn Kilometer lange Rundwanderung über die Berge und durch das Gap of Dunloe. Jedoch ist der Purple Mountain mit seinen sehr steilen Hängen eine herausfordernde Wanderung, die in Teilen Kraxeln erfordert. Dafür belohnen schöne Aussichten auf den Killarney Nationalpark sowie auf die sich westlich erhebenden Berge die Wanderer.

Cnoc an Bhráca (15 Kilometer Rundwanderung)

Cnoc an Bhráca (Deutsch: Hügel des rauen Untergrunds) ist ein 731 Meter hoher Berg auf der Westseite des Gap of Dunloe. Gemeinsam mit Cnoc na dTarbh (655 Meter) bildet er eine Zwillingsformation oberhalb des Tals.  Allerdings trennt die beiden ein kurzrs, aber zu beiden Flanken hin steil abfallender Sattel. Ebenso wie die Wandertour auf den Purple Mountain können Wanderer die beiden Zwillingsberge vom Tal ausgehend erwandern. Dabei ist es wiederum möglich, die Talstraße durch das Gap of Dunloe in diese Rundwanderung einzubinden. Daraus ergibt sich eine fünfzehn Kilometer lange Tour. Von der Spitze von Cnoc an Bhráca aus erstrecken sich ewig weite Ausblicke auf die angrenzenden Eastern Reeks und das Hauptmassiv.

Im Black Valley wandern

Black Valley, Kenmare, Macgillycuddy's Reeks

Black Valley zwischen Kenmare und Killarney © Fáilte Ireland

Das Black Valley gilt als eines der schönsten und einsamsten Täler Irlands. Für Wanderer ist es zum einen interessant, da der Kerry Way durch das Tal führt. Zum Anderen ist das Black Valley ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in den MacGillycuddy’s Reeks. Dabei bieten sich die niederigen Ausläufer am Südwestrand des Gebirges ideal für kürze Wanderungen an.

Broaghnabinnia (10 Kilometer Rundwanderung)

Der Berg Broaghnabinnia befindet sich am südlichsten Rand der MacGillycuddy’s Reeks. Mit 745 Metern hat er trotz seiner isolierten Randlage eine beachtliche Höhe. Die steilen Hänge zu allen Seiten unterstreichen seine einsame Lage. Aus dem Black Valley heraus ist es möglich, Broaghnabinnia vom Osten her zu erklimmen. Vom Ende der befestigten Straße, die in das Black Valley heineinführt, ragt der Berg zur Linken steil auf. Die schmale Straße und der anschließende Weg sind Teil des Kerry Ways. Von dort ist der Anstieg auf den flacheren Bergrücken ein langes Stück Arbeit über unebenen Untergrund. Vom Rücken über das Bergplateau führt die Wanderung auf der Westseite hinab. Dort erreichen Wanderer das Bridia Valley und treffen auf den Kerry Way. Schließlich führt dieser ostwärts zurück zum Startpunkt der zehn Kilometer langen Bergwanderung im Black Valley.

Brassel Mountain (3 Kilometer Rundwanderung)

In den MacGillycuddy’s Reeks zu wandern, muss nicht stets in schwindelerregende Höhen führen. Der Brassel Mountain (575 Meter) ist die niedrigste Erhebung des Gebirgszugs, aber auf jeden Fall auch einen Besuch wert. Er befindet sich oberhalb des zweigeteilten Lough Gummeenduff. Ähnlich wie die Wanderung auf Broaghnabinnia startet diese Kurzwanderung auf dem Kerry Way. Von der Talstraße bist zur Talspitze sind es lediglich eineinhalb Kilometer. Allerdings haben es diese in sich. Von der Bergspitze erstreckt sich ein wunderschöne Ausblick über die Enden des Black Valley und die Eastern Reeks. Der Abstieg erfolgt über dieselbe Route wie der Aufstieg. Dabei öffnet sich das Black Valley in seiner ganzen Pracht.

Carrauntoohil – höchster Berg der Macgillycuddy’s Reeks

Macgillycuddy's Reeks, Carrauntoohil

Creating Agency: Tourism Ireland

Der höchste Berg Irlands, Carrauntoohil, befindet sich in den MacGillycuddy’s Reeks. Ihn umgeben sechs gewaltige Berge, welche zusammen das gewaltigste Bergmassiv der Grünen Insel sind. Somit ist die Wanderung auf den Carrauntoohil zu den anspruchsvollsten und beliebtesten Bergwanderungen. Für den Aufstieg gibt es verschiedene Wanderrouten. Hier stellen wir die Routen auf den Carrauntoohil vor.

Die Eastern Reeks (13 Kilometer Rundwanderung)

Die Eastern Reeks sind eine lange Bergkette, die sich vom Gap of Dunloe bis an das Ostende des Hauptmassiv der Reeks erstreckt. Sie besteht aus den folgenden sechs Bergspitzen:

  • Cruach Mhór (930 Meter)
  • The Big Gun (939 Meter)
  • Knocknapeasta (985 Meter)
  • Maolán Búi (968 Meter)
  • Cnoc an Chuillinn (954 Meter)
  • Cnoc na Toinne (844 Meter)

Neben dem Hauptmassiv sind die Eastern Reeks der größte und für Wanderer anspruchsvollste Gebirgsteil. Hierbei sind die sechs Berge durch kurze Sattel miteinander verbunden. Während dabei die Hänge zur Südseite steil abfallen, ist der Geländeverlauf zur Nordseite deutlich gemächlicher. Im Norden liegt das breit gezogene Tal Hags Glen. Von dort startet die Rundwanderung über die Eastern Reeks. Sie führt durch das Tal, entlang der beiden Seen Lough Callee und Lough Gouragh und hinauf auf den Sattel, der die Eastern Reeks mit Carrauntoohil verbindet. Der kurze, steile Anstieg auf den Sattel erfolgt über The Devil’s Ladder, einem steinigen Pfad den Hang hinauf. Dies ist der steilste Teil der Wanderung. Von dort geht es ostwärts über die sechs Bergspitzen bis an das östliche Ende der Eastern Reeks. Der Abstieg dort führt vorbei am Lough Cummeenapeasta und weiter die sachten Ausläufer des Hags Glen hinab zurück zum Startpunkt.

Coomloughra Horseshoe (15 Kilometer Rundwanderung)

Die Rundwanderung Coomloughra Horseshoe ist eine der bekanntesten Wanderrouten Irlands. Dabei handelt es sich um eine Rundwanderung, die entlang der höchsten Bergspitzen Irlands führt. Ihr Name bezieht sich auf den Coomloughra Lough, der sich im gleichnamigen, hufeisenförmigen Tal befindet. Das Tal schließt sich westlich an die Reeks an. Die Wanderung führt über sechs Bergspitzen:

  • Cnoc Íochtair (746 Meter)
  • Skregmore (847 Meter)
  • Stumpa Bharr na hAbhann (852 Meter)
  • Beenkeragh (1.008 Meter)
  • Carrauntoohil (1.038 Meter)
  • Caher (1.000 Meter)

Von der Straße am Ende des Tals aus startet die Wanderung. Sie führt wenige Kilometer über niedriges Hügelland, ehe der Anstieg auf Cnoc Íochtair beginnt. Von dort führt die Wanderroute u-förmig über die Bergkette. Höhepunkt der Wanderung ist die Überquerung der Beenkeragh Ridge, einem äußerst schmalen Grat. Dieser verbindet Beenkeragh mit Carrauntoohil. Der höchste Punkt der Ridge (956 Meter) wird als The Bones bezeichnet. Die Überquerung ist insbesondere bei windigem Wetter und schlechter Sicht eine nicht ungefährliche Angelegenheit. Schließlich erreichen Wanderer Carrauntoohil, das Dach von Irland. Von dortaus führt die Route über Caher hinab in das Tal und letztendlich zum Ausgangspunkt zurück.

Hier findet Ihr Guides für die Bergtouren in den Reeks:

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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