Irlands Natur

Irland Torf und Torfabbau – eine alte Tradition

Irland Torf Connemara
Neil Saad
Written by Neil Saad

Jeder Irland-Reisende kennt es: das irische Torffeuer. Nach einem nass-kalten Tag wärmt es abends am Kamin die müden Glieder. Dabei steigt das charismatische Aroma des brennenden Torfs in die Nase. Irland-Feeling pur. Tatsächlich ist in Irland Torf (englisch: peat) seit Jahrhunderten ein traditionelles Heizmittel. Die irischen Moore sind die natürliche Quelle und für den Abbau leicht zugänglich. Diese hohe, lokale Verfügbarkeit und der günstige Preis machten den Brennstoff beliebt. Daraus entstand mit der Zeiten aus der ländlichen Idylle eine regelrechte Industrie. Jedoch ist der Abbau ökologisch betrachtet problematisch. Dieser Konflikt zwischen Tradition und Umweltbewusstsein ist auf der Grünen Insel Teil einer regen Debatte. Zudem stellen die irischen Moore eine atemberaubende Landschaft dar, die wichtiger Teil der Naherholung und des Tourismus ist.

Moore und Torf – ein uraltes Ökosystem

Die irischen Moore entstanden am Ende der letzten Kaltzeit vor 10.000 Jahren. Durch das Schmelzen der Eisdecke blieben in den Tälern und Mulden stehende Gewässer zurück. Hierbei übersäten diese Feuchtgebiete die irische Insel. Sich darin ansiedelnde Pflanzen hinterließen jährlich ihre verrottenden Überreste. Dabei formte sich aus diesem organischen Material über die Jahrtausende ein anwachsender Untergrund. Die irischen Moore wuchsen an.

Heute belegen in Irland Torf und Moore fünf Prozent der Landmasse. Hierbei handelt es sich um sogenannte Hochmoore oder Regenmoore (englisch: raised bogs). Hochmoore beziehen ihren Gehalt an Feuchtigkeit ausschließlich aus Niederschlägen. Die größten Hochmoore verteilen sich über die flachen Midlands der Grünen Insel. Dort erreichen die Moore eine Tiefe von über zehn Metern. Dazu bedecken Deckenmoore, auf Englisch blanket bog genannt, die irische Insel. Dabei handelt es sich um eine Unterart des Hochmoors. Das Deckenmoor zeichnet sich durch eine geringe Tiefe von bis zu zwei Metern aus. Bevorzugt bedecken sie Hügel und Täler. Deshalb liegen die irischen Deckenmoore in den Gebirgen nahe der Atlantikküste. Zudem prägt ein Deckenmoor die Landschaft der Wicklow Mountains an der Ostküste. Außer auf Irland befinden sich die blanket bogs nur auf der Nachbarinsel Britannien sowie in Norwegen und im südöstlichen Kanada.

Flora und Fauna der irischen Moore

Irischer Torf ist nicht nur ein traditioneller Brennstoff. Vielmehr sind die Moore ein eigenständiger Lebensraum. Durch die verrottenden Pflanzenreste sowie ihre hohe Feuchtigkeit stellen Hochmoore einen lebensunfreundlichen Raum dar. Beispielsweise ist der Boden stark sauer. Dazu fehlen insbesondere Straucharten und Bäume, also schutzbietende Nistplätze für Tiere. Jedoch passten sich über die Jahrtausende zahlreiche Lebewesen an die schwierigen Bedingungen im Moor an.

Die Flora der irischen Hochmoore besteht aus säuretoleranten Pflanzen. Hierunter ist die Heide der farblich auffälligste Vertreter. Dabei prägt diese im Spätsommer durch ihre purpurrote Blütenpracht ganze Landstriche. Auf den ersten Blick unscheinbarer, aber umso wichtiger sind verschiedene Moose. Dichte Decken der weichen, wassersaugenden Pflanzen bedecken riesige Flächen der Moore. Dazwischen sind feuchtigkeitsliebende Gräser vertreten, insbesondere in den windigen Moorgebieten an der Atlantikküste. Darunter ist das Wollgras, der bog cotton, stark verbreitet. Seine weiße, faserige Blüte erinnert an die Baumwollpflanze. Angepasst an das Leben im Moor verbreiteten sich auch skurile Pflanzen. Dazu zählen fleischfressende Pflanzen wie der Sonnentau.

An diese Flora hat sich eine spannende Tierwelt angepasst. Dabei stellen Säuger wie Fuchs und Hase große Populationen. Größere Säugetiere wie das Wild leben in den höheren Lagen der Moore. Dagegen bevorzugt der Otter die niederen, feuchten Gebiete der Moore. Dort leben eine vielzahl von Amphibien. Allen voran verstecken sich Kröten zwischen den Gräsern. Vor allem aber sind es Insekten, Käfer und Schmetterlinge und Libellen, die zwischen den Pflanzen der Hochmoore schwirren und krabbeln. Zudem bieten die Gewässer der Moore ausgezeichnete Bedinungen für bestimmte Vogelarten. Diese kreisen auf der Jagd nach Beute über dem Moor, nisten an Gewässerufern und suchen den Schutz des Wassers vor ihren Fressfeinden.

Wollgras im Moor in Irland

Zartes Wollgras; CC0 pixabay

Torfstechen in Irland

Torfstechen in Irland – eine uralte Tradition

Irland ist ein Land arm an natürlichen Rohstoffen. Deshalb müssen die Iren Brennstoffe wie Kohle, Öl oder Gas importierten. Dagegen war in Irland Torf zu allen Zeiten ausreichend vorhanden. Der fossile Brennstoff Torf hat eine hohe Wärmefreigabe und eine lange Brenndauer. Er lässt sich gut lagern und die einzelnen Torfstücke haben kaum Gewicht. Deshalb legte in früheren Tagen die Landbevölkerung der Grünen Insel ihre eigenen Torfvorräte an. Mit diesen beheizte sie ihre Heime und machte das Feuer zum Kochen. Hierbei bauten sie den Torf in Schweißt treibender Eigenarbeit in den Mooren ihrer Region ab. Das sogenannte Torfstechen war eine beschwerliche Arbeit. Mit einem speziellen Spaten, dem sléan, stachen die Arbeiter die Erde zu kleinen, handlichen Brocken. Diese einem Backstein ähnelnden Brocken wendeten sie nach einigen Tagen. Dadurch halfen Wind und Sonne beim Austrocknen der Torfbrocken. Anschließend sammelten sie diese ein und stapelten sie zum weiteren Trocknen aufrecht zu losen Haufen. Nach einiger Zeit nahmen sie die Haufen mit nach Hause. Dort lagerten sie ihren Torf in einem Unterstand am Haus oder einem Schuppen.

Das Verbrennen von Torf in Irland, insbesondere in den Midlands und im Westen, hat bis heute eine hohe Bedeutung. Jedoch bauen die Menschen ihren Torf nicht mehr eigenständig ab. Der sléan hat dieser Tage ausgedient. Dafür ist eine Industrie entstanden, die in den Midlands mit speziellen Maschinen im großen Stil die Moore ausbeutet. Diese erhält das traditionelle, irische Torffeuer am Leben.

Torfabbau in Irland – ein ökologisches Problem

In den letzten Jahrzehnten wuchs auch in Irland ein ökologisches Bewusstsein heran. Dieses sieht im Abbau von Torf insbesondere den Schaden an der Natur. Moore speichern eine immense Menge an CO2, welches der Mensch durch den Abbau und die Verbrennung in die Atmosphäre abgibt. Zudem stellen die Moore über Jahrtausende gewachsene Ökosysteme dar, die der Mensch für einen kurzfristigen Nutzen beschädigt. Vor dem Hintergrund der weltweit rückläufigen Fläche an Mooren, ist Irlands Beitrag umso bedeutender. Schließlich entfallen weltweit acht Prozent der seltenen Deckenmoore allein auf die Grüne Insel. Andererseits bietet in Irland Torf Arbeitsplätze und macht das Land unabhängiger von Importen. Einen Mittelweg bietet die Ausweisung von Mooren als Schutzgebiete. 250.000 Hektar Moor wies der irische Staat als schutzbedürftig aus. Dabei ist in diesen Special Areas of Conservation der Abbau von Torf verboten.

Torfstechen Irland

Torfstechen in Irland – eine anstrengende Arbeit; Bild von PublicDomainImages auf Pixabay

In Irland Torf und Moore besichtigen

In Irland Torf und Moore besichtigen, ist keineswegs schwierig. Insbesondere das Wandern ist eine optimale Möglichkeit, die irischen Moore zu erkunden. Die Gebirge entlang des Wild Atlantic Way oder die Wicklow Mountains im Osten sind Deckenmoore, durch die Wanderer ungehindert streifen können. Dabei erleben sie das Ökosystem Moor live mit den eigenen Augen.

Äußerst informativ ist ein Besuch im Bog of Allen Nature Centre in der Grafschaft Kildare. In einem der größten Hochmoore der Midlands befindet sich ein Lehrzentrum über Irlands Moore und den Torfabbau. Eine Ausstellung zeigt die Ökologie der Hochmoore und die Tradition des Torfstechens. Dazu erläutert ein Schaugarten, wie natürliches Gärtnern ohne den Einsatz von Torf funktioniert. Ebenfalls zeigt das Bog of Allen Nature Centre Fundstücke aus den Mooren Irlands. Diese archäologischen Funde gehen die Jahrtausende zurück und dokumentieren tierisches und menschliches Leben auf Irland. Das Geweih eines Elchs, die Bog Butter oder die erhaltenen Reste eines Kanus bezeugen die Geschichte der Grünen Insel.

Auch andernorts brachte das Moor Dinge ans Tageslicht. Bekannte Funde sind Mooreichen, also nicht zersetzte Reste von Eichen, die sich im Torf erhalten haben. Mit bizarren Formen erinnern diese an magische Wälder aus vergangenen Zeiten. Besonders interessant sind archäologisch signifikante Stätten wie die Céide Fields im County Mayo. Dort bewahrte das Moor eine jungsteinzeitliche Siedlung samt Ackerflächen vor dem Untergang.

Torf & Whiskey?

Man liebt ihn oder man hasst ihn. An rauchigem Whiskey scheiden sich die Geschmäcker. Whiskey-Freunde weltweit verbinden irischen Whiskey mit milden Aromen und einer wunderbaren Trinkstärke. Dagegen beanspruchen die schottischen Destillerien der Insel Islay für sich das Monopol auf den Peated Whisky. Dabei handelt es sich um rauchigen Whiskey, dessen starkes Aroma von über einem Torffeuer gedarrter Gerste herrührt. Mit dem Wiederaufleben der Irish Whiskey-Industrie erhält derzeit auch das Torffeuer Einzug in die Destillerien. Die ersten Brennmeister experimentieren bereits mit geräuchertem Malz. Deshalb dürfen sich Freunde des Irish Whiskey und Fans von Peated Whiskey auf die kommenden Jahre freuen.

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Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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