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Die Doors of Dublin – ihre wahre Geschichte

Doors of Dublin
Written by Cindy Lenz

Die Doors of Dublin – das unverkennbare Wahrzeichen der irischen Hauptstadt, das sich in der manchmal etwas tristen und grauen Stadt zu einem Symbol Dublins hervortat. Farbenfrohe Türen gregorianischer Häuser, die sogar an einem nasskalten Novembertag so manch einem ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Doch was verbirgt sich hinter diesem Trend, der so symbolisch zu Dublin gehört wie die Guinness Brauerei und die Liffey?

Der Hype um die Doors of Dublin

1970 erschien im Schaufenster eines irischen Touristenbüros in der Fifth Avenue in New York eine Collage mit bunten Dubliner Türen. Zu dieser Zeit fand die St. Patrick’s Parade statt und unzählige Menschen blieben stehen und bestaunten das Bild. So einige konnten ihre Neugier kaum zügeln, betraten das Touristenbüro und wollten wissen, wo sie diese außergewöhnlichen Türen finden konnten. Der Andrang war riesig und so kam dem damaligen Manager Joe Malone die Idee, die Collage in Auftrag zu geben, die sich später zu einer irischen Ikone entwickeln würde.

Heute zieren die Doors of Dublin unzählige Poster, Postkarten, Shirts und viele weitere irische Souvenirs. Sie prägen den Einband von Reiseführern und sind unverzichtbares Bildmaterial bei jedem Artikel über die irische Hauptstadt. Und dabei handelt es sich keinesfalls um eine gekonnte Fotomontage, wie so manch einer annehmen könnte. Die Doors of Dublin, deren Geschichte in New York Fahrt aufnahm, finden sich tatsächlich so in der Stadt.

Die bunten Türen gregorianischer Häuser finden sich überwiegend südlich der Liffey. Die wohl bekannteste Attraktion ist die Fitzwilliam Street Nr. 10, die ein Teil der längsten Reihe gregorianischer Häuser in Europa ist. Doch auch nördlich des Stadtzentrums gibt es weniger fotografierte und wenngleich nicht minder spannende Exemplare dieser außergewöhnlichen Türen.

Die Geschichte der Doors of Dublin

Doors of Dublin

© Jonathon Hessian, Tourism Ireland

Es gibt viele Geschichten, wie die Doors of Dublin entstanden sein sollen. Eine davon handelt von dem irischen Literaten und Kunstkritiker George Moore. So lebte Moore zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Ely Place Nummer 4 und ihm gegenüber der irische Schriftsteller, Arzt und Säufer Oliver St. John Gogarty. So soll George Moore eines Tages seine Haustür grün gestrichen haben, damit Gogarty nach seinen abendlichen Streifzügen durch die Kneipen aufhörte, betrunken seine Tür mit der von Moore zu verwechseln. Als Antwort darauf soll Gogarty seine Tür rot gestrichen haben.

Einer Geschichte von William Butler Yeats nach strich George Moore die Tür aus künstlerischen Gründen. Yeats schrieb, dass Moore der Meinung war, die gesamte Dekoration des Hauses würde eine grüne Tür erfordern.

Eine neue Ära beginnt

Aus welchen Gründen Moore auch immer seine Tür strich, so soll er sich in einem mühseligen Streit mit den Nachbarn um seine grüne Tür befunden haben. Denn in dem gregorianischen Dublin besagten die Bauvorschriften, dass der Stil der Stadt einheitlich sein sollte. Daher wurden die Häuser in einem bestimmten Gebiet immer genau gleich erbaut.

Anfang des 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert begann dann allerdings eine neue Ära. Die Menschen hatten genug davon, für teure Wohnungen in den zwar noblen aber eintönigen Vierteln zu bezahlen. Somit begannen sie, ihre Türen bunt zu streichen. Dies war für sie die einzige Möglichkeit, ihr Haus charakteristischer zu gestalten und es von anderen unterscheidbar zu machen.

Der Erhalt einer Ikone

In den 50er und 60er Jahren war Irland von der Ideologie geprägt, die physischen Erinnerungen an die Kolonialzeit aus seiner Hauptstadt zu verbannen. In nur einem Jahrzehnt wurden mehr als 20 gregorianische Stadthäuser dem Erdboden gleichgemacht. An ihrer Stelle erbaute die Regierung Bürogebäude. Eine Gruppe von Historikern, Denkmalpflegern, Architekten und Touristenverbänden machte sich aber daran, die Abrisswut der Regierung zu stoppen. Sie kämpften dafür, die historischen Häuser in der Stadt zu erhalten. Dazu trug auch die Collage Doors of Dublin bei, die nach ihrer Entdeckung Dublin zu einem wahren Touristenmagnet machte. Die Regierung erkannte das Potenzial dieses Wahrzeichens auf wirtschaftlicher Ebene und beendete ihren Kampf gegen die Auslöschung der Vergangenheit.

Eine einzige Collage einiger bunter Türen, ausgestellt in New York, ist dafür verantwortlich, dass die geschichtsträchtigen gregorianischen Häuser Dublins heute noch erhalten sind.

Weitere Geschichten rund um die Türen von Dublin

Die Iren erzählen sich unzählige Geschichten, wie die bunten Türen von Dublin entstanden sein sollen. Dabei spielen nicht nur George Moore und Oliver St. John Gogarty eine Rolle. Eine Erzählung besagt, dass die Engländer nach dem Tod von Königin Victoria den Dublinern befahlen, als Zeichen der Trauer ihre Türen schwarz zu streichen. Jedoch rebellierten die Iren dagegen und nahmen stattdessen die bunten Farben.

Einer anderen Erzählung nach soll dieses Wahrzeichen durch die Hand von Frauen entstanden sein. Die Damen hatten genug davon, dass ihre Männer nach ihren abendlichen Kneipentouren außerstande waren, ihr eigenes Haus zu finden. Und möglicherweise sogar im Bett einer anderen Frau aufwachten. So strichen sie die Türen kurzerhand bunt an, damit ihre Gatten nie (wieder) an der falschen Tür klopften.

Doors of Dublin

© Tony Pleavin, Tourism Ireland

Die Doors of Dublin besichtigen

Welcher Geschichte Ihr auch immer Glauben schenken mögt, die Doors of Dublin sind unumstritten eine spannende Attraktion in der irischen Hauptstadt. Wer die Stadt besucht, sollte es daher nicht versäumen, einige dieser bunten Türen zu bestaunen und vielleicht sogar eine eigene Collage mit den schönsten Türen Irlands zu basteln.

Die Doors of Dublin finden sich überwiegend südlich der Liffey. Darunter auch authentische Türen, als Dublins erstmals diesen bunten Anstrich erhielt. Ein Spaziergang durch Fitzwilliam Square, St. Stephen’s Green und den Merrion Square führt zu Hunderten grüner, roter, gelber, orangener, lilafarbener und blauer Türen. Manche davon in gedeckten Farben, andere knallbunt. Mit Efeu bewachsen oder auch in einem eleganten Schwarz-Weiß-Stil. Bei einem Spaziergang durch Dublin werden Euch unzählige wunderschöne, spannende und außergewöhnliche Türen begegnen und jede davon erzählt ihre ganz eigene Geschichte.

Über den Autor

Cindy Lenz

Irland bedeutet für mich ein Stück Heimat. In meinem Lieblingsland fühle ich mich zwischen der herzlichen Art der Iren und ihrer lebensfrohen Natur zu Hause. Dabei entdecke ich auf meinen Reisen immer wieder unbekannte, traumhafte Orte, denn hinter jeder Kurve wartet eine neue fantastische Aussicht!
Wenn ich über Irland schreibe, möchte ich die Fröhlichkeit der Iren einfangen und mit genauso viel Begeisterung über ihre Heimat erzählen, wie sie es tun.

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