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Boyle Abbey – Erbe der Zisterzienser in der Grafschaft Roscommon

Boyle Abbey Irland
Neil Saad
Written by Neil Saad

Die Zisterzienser-Mönche prägten Irland über Jahrhunderte. Dabei hatte nicht nur ihre Glaubensstärke bedeutenden Einfluss auf die Gläubigen. Vielmehr ragte ihre Architektur heraus. Deshalb zählen noch heute die Überreste der ehemaligen Klöster zu den schönsten kirchlichen Ruinen auf der Grünen Insel. Darunter ist die Boyle Abbey in der Grafschaft Roscommon erwähnenswert. Der einst prächtige Bau war das erste Zisterzienser-Kloster im Nordwesten von Irland. Eine Visite der alten Anlage führt Besucher zurück in die Tage der ersten Mönche, aber auch in Zeiten von Belagerungen und Besetzungen.

Die Boyle Abbey im County Roscommon

Heimat der Boyle Abbey ist der gleichnamige Ort Boyle in der Grafschaft Roscommon. Sowohl Ort als auch Abtei sind nach einem Fluss benannt, der durch den Ort fließt. Dieser mündet nur wenige Kilometer nordöstlich der Stadt in den Lough Key. Neben dem Lough Key befindet sich dessen Zwillingssee Lough Arrow. Beide Gewässer dominieren neben den niedrigen Gebirgszug Curlew Mountains die Landschaft im nördlichen Roscommon. Nördlich dieser Landschaft beginnt die Grafschaft Sligo. Dessen Hauptstadt Sligo Town liegt lediglich 40 Kilometer von Boyle entfernt. Eine weitere Sehenswürdigkeit im näheren Umkreis sind die Steinzeitgräber von Carrowkeel. Jene befinden sich 15 Kilometer nördlich vom Ort.

Die Abtei von Boyle liegt im Ortszentrum. Die Fernstraße N 4, die direkte Verbindung zwischen Dublin und Sligo Town, führt unmittelbar an der Abtei vorbei. Dadurch ist eine Besichtigung der Ruinen des einstigen Klosters der Zisterzienser eine ideale Gelegenheit für einen kurzen Zwischenhalt. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, dem empfiehlt sich ein anschließender Besuch im King House. Das prächtige Herrenhaus der Familie King steht gleichfalls im Zentrum des kleinen Ortes.

Boyle Abbey Außenmauer

Die Boyle Abbey; ©Tourism Ireland

Die Geschichte der Boyle Abbey

Der Zisterzienser-Orden kam im 12. Jahrhundert auf die Grüne Insel. Ursprünglich im französischen Citeaux als Ableger des Benediktiner-Ordens gegründet, wurde die Gemeinschaft in Irland schnell populär. Die erste Abtei gründeten Mönche 1142 in Mellifont, County Louth. Binnen kurzer Zeit entstanden Tochterhäuser überall auf Irland. Darunter die Boyle Abbey im heutigen County Roscommon. Allerdings benötigten die Mönche für die Gründung des Klosters mehrere Anläufe. Erst ihre Siedlung auf den Ländereien der herrschenden Familie McDermott in Boyle blieb von Dauer. Im Jahr 1161 baute der Orden die Abtei. Sie war das erste Haus der Zisterzienser im Nordwesten von Irland. Ihre Weihe fand im Jahr 1218 statt.

Wie alle Ordenshäuser der Zisterzienser in Irland florierte die Abtei in Boyle. Verschiedene Umbauten und Erweiterungen bezeugen ihr Wachstum über die Jahre. Dennoch blieben die Mönche und ihr Bauwerk von den Wirren der irischen Geschichte nicht verschont. Im Jahr 1202, noch während der Bauphase, überfiel eine Armee des Anglo-Normannen William de Burgh und des Königs von Connacht, Cathal O’Connor, Boyle. Der Angriff war Teil eines Krieges zwischen O’Connor und seinen Feinden, die ihm nach der Krone trachteten. William de Burgh und seine Mannen dienten dabei seiner Unterstützung. Im Zuge der Fehde wurde die Boyle Abbey stark zerstört. Nichtsdestotrotz bauten die Mönche ihr Heim in der Folge zu alter Größe und Schönheit wieder auf. Für die nächsten 300 Jahre blieb die Boyle Abbey ein Ort des Glaubens und des Gebets.

Dies änderte sich mit der Kirchenreform von Heinrich VIII ab 1536. Im Zuge der Reform verloren alle katholischen Orden ihren Besitz. Zwar profitierten die Mönche im Nordwesten von Irland von ihrer abgeschiedenen Lage. Jedoch konnte diese Isolation ihren Untergang lediglich verzögern. Letztendlich entfernten königliche Kräfte im Jahr 1584 den letzten Abt von Boyle. Da dieser seinem katholischen Glauben nicht entsagte, richteten ihn die Reformer schließlich hin.

Boyle Abbey Gatehouse

Das Gatehouse (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Die Architektur der Abtei von Boyle

Nach der Vertreibung der Mönche wurde die Boyle Abbey zu Boyle Castle. Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts diente dieses als Militärbaracke. Damit gingen massive Umbauten an der Klosteranlage einher. Diese sind heute noch augenscheinlich. Dennoch hat sich das architektonische Grundgerüst aus der Zeit der Zisterzienster bis heute erhalten.

Dieses Gerüst folgt dem traditionellen Bauschema, dem alle Zisterzienster-Klöster aus dem 12. Jahrhundert unterlagen. Die Kirche zeigt die klassische Kreuzform, deren Zentrum ein massiver, eckiger Turm dominiert. Das lange Kirchenschiff begleitet eine Reihe von Säulenbögen. Diese Bögen tragen zunächst runde Säulen, später eckige. Hieran ist erkennbar, dass die Abtei einst vergrößert wurde. Dabei wechselten die Mönche nicht nur die Säulenform, sondern grundsätzlich deren Stil. Wo ursprünglich eine Anlehnung an die klassische Gotik des 12. und 13. Jahrhunderts Architektur stattfand, wechselten die Bauherren nun zu einem römischen Stil.

Der Zisterzienser-Orden galt als eine der strengsten Ordensgemeinschaften seiner Zeit. Das Leben der Mönche war karg und enthaltsam, geprägt von Arbeit und Gebet. Diese Bescheidenheit spiegelt sich im Baustil ihrer Klöster wieder, der ohne Schnörkel war. Jedoch zeigt sich an der Boyle Abbey, dass diese gläubige Bescheidenheit mit der Zeit Risse erhielt. Die Mönche begannen, Verzierungen und Ornamente anzubringen. Deshalb lohnt es sich bei einem Besuch der Ruinen, den Blick häufiger nach oben zu richten. Verschiedene Figuren und Darstellungen zeigen sich an den Köpfen der Säulen und an den Mauern. Hierbei sind die Bedeutung der Darstellungen weitestgehend unklar.

An die Kirche angeschlossen ist der Klostergarten. Diesen umgab zuvor ein typischer Kreuzgang. Jedoch wurde dieser beim Umbau der Abtei zu einer Kaserne vollständig zerstört. Ebenfalls entfernten die Soldaten das Innere des Klostergartens. Stattdessen legten sie Kopfsteinpflaster aus. Dieses ist heute noch weitestgehend intakt erhalten. Allerdings ist es mittlerweile wieder vom Gras überwachsen. Um den Klostergarten herum befanden sich Arbeitsräume und die Schlafstätten der Mönche. Von diesen ist heute nichts mehr erhalten.

Boyle Abbey Sheela-na-gig

Sheela-na-gig in Boyle, County Roscommon (Foto: Yvonne Treptow-Saad)

Boyle Abbey besichtigen

Die Boyle Abbey ging Ende des 19. Jahrhunderts in staatlichen Besitz über. Ein kleines Besucherzentrum innerhalb der Abtei zeigt eine kleine Ausstellung über die Geschichte der Abtei. Dabei ist die Abtei ganzjährig für Besucher gegen Eintritt geöffnet. Dazu finden Führungen durch die Anlage statt.

Über den Autor

Neil Saad

Neil Saad

Nach Irland zieht es mich regelmäßig mehrmals im Jahr und zu jeder Jahreszeit. Besonders das Wandern in Irland hat es mir angetan und alleine oder mit meiner Familie erkunde ich zu Fuß die Gebirge und Wanderwege der grünen Insel. Aber auch auf klassischen Road Trips liebe ich es, Irland immer wieder neu zu entdecken. Dabei bevorzuge ich das Prinzip des Slow Travel, denn gerade in Irland ist weniger ganz oft so viel mehr. Mit der Liebe zur grünen Insel kam auch der Wunsch, über Land und Leute zu schreiben und möglichst viele Menschen daran teilhaben zu lassen.

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