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Limerick Milk Market

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Daniela Kluetsch
Written by Daniela Kluetsch

Der Milk Market in Limerick ist längst kein Geheimtipp mehr, dafür ein Muss für alle, die den Westen Irlands und die Region Shannon besuchen. Er zählt zu den ältesten Märkten Irlands und bietet neben Produkten aus der Region, eine Fülle an kulinarischen Gerichten. Das ganze Wochenende über gibt es Programm: Freitag Abend Livemusik, samstags Farmers Market und Sonntagmorgen Yoga. Seit 1852 gibt es ihn, den Milk Market in der Mungret Street, nur sein Angebot hat er über die Zeit verändert.

Geschichte und Entwicklung

Anfang des 19. Jahrhunderts existierten noch eine Vielzahl von Märkten innerhalb der Stadt Limerick und in der Nähe der Stadtgrenze. In den darauffolgenden Jahren kam die Idee auf, alle Märkte zentral zu verwalten. Zu diesem Zweck wurden 1852 die “Limerick Market Trustees” gegründet, Treuhänder, die in Zukunft das Marktgeschehen regulieren sollten. Einer ihrer ersten Amsthandlungen war der Erwerb eines großen Grundstückes im Stadtteil Garryowen, auf das ein Großteil der Märkte verlegt werden sollte. Der Buttermarkt, der Schweinemarkt und der Heumarkt fanden hier ihren neuen Standort. Nur der Kartoffelmarkt und der Getreidemarkt (später als der heutige “Milk Market” bekannt) blieben an ihrem ursprünglichen Ort bestehen. Doch leider brachte die Umsiedlung nicht den gewünschten Erfolg. Durch die Ausweitung der Genossenschaftsmolkereien, wurde der Handel mit Butter immer weniger lukrativ, was dessen vorzeitiges Ende zur Folge hatte. Auch die Nachfrage auf dem Schweinemarkt und dem Kartoffelmarkt ging zurück. Der Heumarkt fand sein Ende durch die Einführung des motorisierten Verkehrs, welcher die Fortbewegung mit dem Viehkarren ablöste.

Während die drei umgesiedelten Märkte als auch der Kartoffelmarkt im Laufe des 20. Jahrhunderts nach und nach ihren Betrieb einstellten, blühte der Getreidemarkt und heutige Milchmarkt regelrecht auf. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass immer mehr Produkte über die Jahre dazu kamen und der Markt sich – bis heute – zu einem lebendigen und vielseitigen Ort mitten in der Stadt etablierte. Nach dem Verkauf von Obst und Gemüse, kam ebenfalls der Handel mit Geflügel, Butter als auch Brot und Gebäck dazu. In den 50er Jahren wurde der Milchmarkt durch ein breites Angebot an Pflanzen und Sträuchern ergänzt.

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Leckeres Brot auf dem Limerick Milk Market; © Daniela Klütsch

Der Limerick Milk Market heute

Nach der missglückten Versuch in der Vergangenheit die Märkte Limericks zu zentralisieren, wuchs die Notwendigkeit den nun wachsenden und zentral gelegenen Milchmarkt zu stärken. Nach langjähriger Planung und Renovierung durch die weiterhin aktiven Treuhänder, eröffnete der Markt wörtlich unter einem neuen Dach. Durch eine Überdachung des Innenhofes wurde der Milchmarkt fortan zum ganzjährigen Allwetter-Markt, mit Platz für Marktstände und Kultur gleichermaßen. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein umgesetzt, um einer der ältesten Märkte auch zu einem der besten Märkte Irlands zu machen.

Der Limerick Milk Market beherbergt heute über 60 Anbieter. Einige von ihnen haben einen festen Laden (knapp 50), andere einen mobilen Stand im Innen- oder Außenbereich (etwa 20). Im Außenbereich findet man außerdem noch die ganz klassischen Bauern mit ihren einfachen Viehwagen und Wurzelgemüse, frisch aus der Erde. Der ein oder andere verkauft außerdem Antiquitäten, was den Markt zu einer bunten Mischung aus Tradition und Moderne macht. Das Angebot im Innenhof ist vielseitig, und das heute mehr denn je. Neben lokalem Gemüse, Obst, Käse, Fisch und Fleisch, werden auch weiterverarbeitete Produkte wie Brot, Gebäck und Gewürze, aber auch Naturkosmetik, Kleidung und Kunst angeboten. Viele Händler haben ihren Schwerpunkt auf regionale Produkte, wodurch man Irland in seiner ganzen kulinarischen und natürlichen Bandbreite kennenlernen kann. Wer zum Beispiel Wildkräuter aus den Burren oder Austern der Atlantikküste probieren möchte, wird hier fündig. Was man hier kosten kann, widerlegt jedes Vorurteil, die irische Küche sei “einfach” oder “langweilig”. Nach einem Rundgang und einer Kostprobe kommt man eher zu dem Urteil, die irische Küche samt ihrer Produkte weit unterschätzt zu haben.

Angebot Essen

Der Milk Market ist nicht nur ein reiner Handelsmarkt, sondern – wie bereits angedeutet – auch ein kulinarischer Hotspot. Neben “Bread, Cheese, Fruit, Veg, Fish, Meat & Poultry”, wie es auf der Website heißt, kann man sich ebenfalls auf “Coffee, Pastries, Hot Food, Fashion, Flowers & Crafts” freuen. Jedes mal wenn ich den Westen Irlands bereise, mache ich Stop im Limerick, bestenfalls am Wochenende zum Markttag. Es gibt für mich nichts Schöneres als mich mitten ins Marktgeschehen zu schmeißen und – immer der Nase nach – von Stand zu Stand zu kosten. Neben Pulled Pork, etxra großen Hot Dogs und frischem Fisch, gibt es ebenfalls ein großes Angebot für Vegetarier und Veganer wie z.B. irische Falafel, Salat Bowls und selbst gemachte Erdnusscreme. Für mich auffallend modern, doch hier selbstverständlich: glutenfreies Brot und Gebäck. Hier ist wirklich für jeden Geschmack und jede Gesinnung etwas dabei. Einmal angefangen, weiß man gar nicht wo man anfangen und wo man aufhören soll. Manchmal reicht auch nur ein Platz in einem der fest ansässigen Cafés, um das Markttreiben in aller Ruhe zu beobachten. Sollte man nicht alles schaffen, gibt es nur eine Lösung: wiederkommen.

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Etwas für die Naschkatzen; © Daniela Klütsch

Kulturelles Angebot

Der Limerick Milk Market ist über den kulinarischen Markt hinaus auch zu einem Happening am Wochenende geworden. Der Freitag beginnt mit einem “Lunch Special” gefolgt von Live Musik wechselnder Bands am Abend. Der Samstag ist ganz klassisch Markttag, wobei man sich hier ebenso zum Mittagessen und Kaffee trifft. Allerdings ist das Angebot von Produkten aus der Region an diesem Tag vielseitiger. Es lohnt sich außerdem den Außenbereich des Milk Marktes zu erkunden. Hier findet man sie noch, die irischen Originale, wie ich sie gerne nenne. Den Bauern mit seinem Viehkarren und dem frisch geernteten Gemüse aus der Erde, den Antiquitätenhändler und den Musiker, mit der Tin Whistle und Geige. Der Sonntag findet unter dem Motto “Family Relaxation Day” statt. Es ist ein lässiger Tag, der spät beginnt und die ganze Familie bei Kaffee, Kuchen und weiteren süßen Leckereien zusammen bringt. Unter der überdachten Kuppel findet ebenfalls jeden Sonntag Yoga, Tai Chi und Meditation statt.

Ein Blick hinter die Kulissen

Der Milk Market ist seit seiner Umgestaltung und Neueröffnung 2010 derart gewachsen, dass es einiges darüber zu berichten gibt. Das Besondere bringt hier jeder einzelne Markthändler mit, jeder auf seine Art. Auf der Website des Milk Markets kann man unter “News” oder “Food Story” hinter die Kulissen blicken und mehr über die Markttreibenden und ihr Angebot erfahren. Es sind persönliche Geschichten, wie die über “Peter the Pie Man” oder “Wilde Irish Chocolates”. Die Geschichten sind echt, so wie es die Menschen sind sowie die Leidenschaft für ihre Produkte. Man hat das Gefühl Pioniere zu begleiten, die – jeder für sich – eine andere Besonderheit der grünen Insel hervorbringen. Vielleicht ist der Milk Market auch deshalb so einzigartig, weil er sich im Laufe der Jahrhunderte – im Gegensatz zu den anderen Märkten –behauptet und durchgesetzt hat, und das ohne Import- und Billigware. Für mich ist der Milk Market ein Symbol dafür, was Irland kulinarisch längst kann und was für ein kulinarisches Potenzial in der Grünen Insel steckt

Über den Autor

Daniela Kluetsch

Daniela Kluetsch

In meiner Kindheit habe ich nahezu jeden Sommer in Irland verbracht. Seither fühle ich mich eng mit der Grünen Insel verbunden und entdecke sich immer wieder neu. Heute liebe ich es dort in der rauen Natur zu wandern, im Atlantik zu surfen oder einfach nur über Märkte zu schlendern und in gemütlichen Cafés zu entspannen. Wenn ich über Irland schreibe, spricht die Liebe zu einem einzigartig ursprünglichen Land aus meinem Herzen.

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