Irische Mythologie Kultur

Der irische Wolfshund

irische wolfshund
Heike Fries
Written by Heike Fries

Irische Wolfshunde, die sogenannten Cú Faoil beeindrucken auf den ersten Blick mit ihrer Größe – siebzig Zentimeter messen sie mindestens. Rüden können aber auch problemlos über einen Meter groß werden. Was das für eine Größe ist, finden Sie am besten heraus, wenn Sie einem solchen Hund einmal begegnen. Stellen Sie sich vor, sie wandern durch Irlands grüne Landschaft. Plötzlich sehen Sie in der Ferne einen irischen Wolfshund. Schon von Weitem ist seine imposante Statur erkennbar: Groß, aber als Windhund auch schlank und mit zottigem Fell schaut er sich um. Wie gut, dass Sie kein Wolf, Elch oder feindlicher Krieger sind, denn die Hunde wurden in früheren Zeiten vor allem zur Jagd und für den Einsatz im Krieg verwendet.

Aber halt, keine Angst. Trotz seiner einschüchternden Größe und seiner martialischen Vergangenheit ist der irische Wolfshund ein gutmütiger und sanfter Riese. Es ist eher wahrscheinlich, dass er Fremde mit wedelndem Schwanz und überschäumender Neugier begrüßt. Als Wachhund ist er deshalb nicht sonderlich geeignet. Da bleibt nur die Hoffnung, dass er Einbrecher und andere Eindringlinge alleine durch seine Optik abschreckt, bevor sie merken, dass er lieb und zugänglich ist.

Der irische Wolfshund: Eine alte Hunderasse

Aber als imposanter Begleiter und Jagdhund war er wahrscheinlich schon 7000 vor Christus in Irland beliebt. Erste Erwähnung fand er im Jahr 391 in einem römischen Dokument des Konsuls Quintus Aurelius Symmachu. Er berichtete begeistert davon, dass er sieben dieser Hunde geschenkt bekommen hatte. Sie wären dazu gedacht, Bären und Löwen zu jagen und hätten damit ganz Rom in Staunen versetzt. Tatsächlich wurden mit irischen Wolfshunden auch in Irland Wölfe und großes Wild gejagt – der Name leitet sich deshalb auch von der Funktion und nicht vom Aussehen ab. Seine Schnelligkeit war dabei sicherlich ebenso von Vorteil, wie seine Loyalität. Die freundliche Art – gepaart mit seinem aufsehenerregenden Äußeren – machte ihn deshalb schnell zum beliebten Statussymbol für Adelige und Mächtige.

Sagenhaft beliebt

Während der englischen Besatzung Irlands war der Besitz ohnehin nur noch dem Adel erlaubt und die Anzahl der Hunde war streng geregelt. Ein hoch angesehener Barde konnte sich demnach nur zwei irische Wolfshunde zulegen, während sich die Herrscher und Adeligen an den Höfen im Land mit vielen solcher Tiere schmücken durften. Der legendäre Krieger Fionn McCumhall, Held der irischen Mythologie soll sogar 500 Wolfshunde besessen haben – ein deutliches Zeichen seiner Macht und Bedeutung. Zwei seiner liebsten Hunde hießen Bran and Sceolán. Sie waren Bruder und Schwester und der Legende nach von menschlicher Herkunft. Ihre Mutter Tuirrean, eine Tante Fionn McCumhalls, war schwanger, als sie von Uchtdealb der andersweltlichen Geliebten ihres Mannes aus Eifersucht in einen Wolfshund verwandelt wurde – und deshalb Welpen anstatt menschliche Kinder auf die Welt brachte.

Loyal und heldenhaft

Und auch die Geschichte von Cú Chulainn, dem anderen großen Sagenhelden Irlands, ist mit den loyalen Vierbeinern verknüpft. Sein Name bedeutet Hund des Chulainn. Der Schmied Chulainn war nämlich wenig erfreut, als der junge Sétanta seinen treuen Wachhund erschlug. Um die Tat wieder gut zu machen, willigte der junge Krieger ein, ein Jahr und einen Tag Haus und Hof des Schmiedes vor Feinden zu schützen und somit den Hund zu ersetzen. So kam der Sagenheld schließlich auch zu seinem Namen: Cú Chulainn. Die Bezeichnung Cú war aber wohl auch ein Beiname für einen loyalen Krieger, der sich Ansehen und Respekt verdient hatte.

 

Irisher Wolfshund

Sylvie Saulue/Design Madeleine [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Ein Symbol für Macht und Ansehen – nicht nur in Irland

Es ist gut möglich, dass damalige irische Wolfshunde besser als Wachhunde geeignet waren als heutige Exemplare. Sie unterschieden sich nämlich von der modernen Züchtung: Im 17. Jahrhundert war die gesamte Rasse in Irland fast ausgestorben. Das lag vor allem daran, dass auch andere europäische Adelige sich mit den Hunden schmücken wollten. Deshalb wurden viele der Tiere aufs europäische Festland verkauft oder verschenkt.

1861 erließ der Lordprotektor Oliver Cromwell gar einen Erlass, dass eine Mindestanzahl der Hunde in Irland verbleiben sollte, um sich der vielen Wölfe anzunehmen. Die Begeisterung der englischen Besatzer für das Tier hatte zudem dafür gesorgt, dass es für die Iren nicht mehr als Nationaltier taugte. Im Jahr 1786 wurde im County Carlow zudem der wahrscheinlich letzte Wolf Irlands durch ein Rudel Wolfshunde getötet. Kurz gesagt, die große Zeit des irischen Wolfshundes als geschätztes Statussymbol an Hof sowie als treuer Jagdhund waren vorbei und die Rasse verlor an Bedeutung.

Die Wiederentdeckung des irischen Wolfshundes

Erst im Jahr 1879 beschloss der Schotte George Augustus Graham die Hunderasse wiederzubeleben. Er widmete fortan sein ganzes Leben diesem Vorhaben. Dass der irische Wolfshund einmal ein Exportschlager war, kam ihm jetzt zugute. Rassen wie Barsois, Doggen und schottische Deerhounds stammen von ihm ab und konnten für die Neubelebung herangezogen werden. Im Jahr 1885 gründete Graham mit anderen Züchtern den Irish Wolfhound Club, der von da an die Standards für die Züchtung dieser Tiere festgelegte.

Irische Wolfshunde als Haustiere

Meine erste Begegnung mit solch einem sanften Riesen hatte ich während meiner Schulzeit. Die Eltern eines Schulfreundes waren plötzlich ohne eigenes Zutun in den Besitz eines solchen Hundes gekommen. Und er war wirklich gigantisch groß und unglaublich lieb. Ich erinnere mich daran, dass er liebsten im Flur vor der Eingangstür lag, was zu ziemlichen Problemen beim Betreten und Verlassen des Hauses führte.

Wer solch einen Hund halten möchte, sollte sich der Größe deshalb schon bewusst sein – und auch der traurigen Tatsache, dass er wie viele andere große Hunderassen nur etwa acht Jahre alt wird. Wie bei allen Windhunden ist der Bewegungsdrang der Tiere ziemlich ausgeprägt. Sie sollten deshalb viel Auslauf haben. Gut geeignet ist ein großer Garten, der nicht bewacht werden muss. Auch wenn er als Wachhund zu wenig Biss hat, als freundlicher Familienhund – wenn auch mit ausgeprägtem Jagdinstinkt und großem Bewegungsdrang – ist er dafür umso besser geeignet.

Über den Autor

Heike Fries

Heike Fries

Irland ist eine Herzensangelegenheit für mich und neben der irischen Musik hat es mir vor allem der irische Sagenzyklus angetan.

Ich habe Irland schon als Schülerin mehrmals besucht. Damals hatte ich das Glück, die ganze Insel über mehrere Wochen kennenzulernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen: Es ist bis heute mein Lieblingsland.

Ich bin Autorin und Künstlerin und irische Motive schmuggeln sich auch immer wieder in meine Zeichnungen. In meiner Freizeit spiele und singe ich in einer Band. Wir sind zwar keine richtige Folkband, haben aber den ein oder anderen irischen Song im Programm. Ich spiele außerdem ein wenig Bodhrán. Da ich nicht genug übe, bin ich nicht besonders gut – aber ich bin mit Begeisterung dabei.

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