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Wandern in Donegal

Daniela Kluetsch
Written by Daniela Kluetsch

Wenn man „Wandern in Irland“ bei Google sucht, springen einem unmittelbar der Kerry Way und Dingel Way als erste Ergebnisse ins Auge. Recherchiert man weiter, landet man ebenfalls an der Atlantikküste weiter nördlich, in den Burren oder, noch ein Stück weiter, in Connemara. Vielleicht bekommt man noch Tipps zu den Wicklow Mountains angezeigt, aber dann hört es leider schon auf. Eine der schönsten Wanderregionen Irlands wird hier meist übersehen: der Norden. Wandern in Donegal ist ein Erlebnis. Vielleicht nicht ganz so leicht bzw. nah von Dublin aus zu erreichen, aber dafür umso beschaulicher und ursprünglich präsentiert sich die Grafschaft Donegal. Auf der Karte betrachtet, liegt Donegal fast etwas abseits vom Rest der Republik im äußersten Norden westlich von Nordirland. Es bietet sich daher an per Direktflug über Belfast anzureisen. Reist man von Dublin an, muss man eine längere Anfahrt mit dem Bus und Auto aus sich nehmen, was kein Nachteil sein muss. Im Gegenteil.

Eine Landschaft der Kontraste

Je mehr man sich dem Norden Irlands nähert, desto mehr hat man den Eindruck, das „alte“ Irland zu entdecken. In vielen Teilen der Region, besonders in den Küstenorten, spricht und schreibt man noch Gälisch, wie man an den Hinweisschildern unschwer erkennen kann. Auch ist die Region deutlich dünner besiedelt als der Rest der Republik. Hier wirkt das Grün auf eine Art noch etwas satter, die Berge noch etwas rauer und das Meer noch etwas weiter. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Sonne hier anders steht als an der Westküste. Dieses Phänomen lässt sich vor allem an den meist menschenleeren Sandstränden entlang der Nordküste beobachten. Wenn die Sonne am Horizont strahlt, glitzert das Meer auf eine ganz besondere Art und Weise und die Landschaft leuchtet förmlich in satten Farben. Dieses Naturschauspiel lässt sich auch in den Bildern der ortsansässigen Künstler, die man oft in den größeren Ortschaften wie z.B. Dunfanaghy antrifft, wiedererkennen. Ein besonderer Fleck Irland also, der gleichermaßen Naturliebhaber, Künstler und Surfer, als auch Ruhesuchender und Wanderfreunde anzieht.

Wandern in Donegal – Top 3 Wanderrouten

Wandern in Donegal

Ards Forest Park, Co. Donegal

Sanfte Rundtour durch den Ards Forest Park

Die Wanderung durch den Ards Forest Park eignet sich besonders gut für Einsteiger. Sie beginnt und endet beim Haupteingang und verläuft überwiegend flach an der Küste entlang. Wie der Name schon verrät, schlängelt sich ein Großteil der Wanderung durch einen dicht bewachsenen Laubwald. Je tiefer man in den Wald eintaucht, desto mehr fühlt man sich in die Zeit der Druiden und Elfen versetzt. Die jahrhundertalten und mit Moos überwachsenen Eichen, bieten die perfekte Kulisse für keltische Märchen und Sagen. Mit etwas Glück entdeckt man hier auf einer Lichtung zwischen Efeu und Farnen, einen so genannten „Mass Stone“, eine keltische Kulturstätte.

Donegal erwandern

Fluss durch den Ards Forest Park, Co. Donegal

Zwischen den Laubbäumen leuchten im Sommer immer wieder die bunten Blüten der Rhododendron- und Ginsterbüsche auf. Außerdem erhascht man zwischen den Büschen immer mal wieder einen Blick auf die Sheephaven Bay, die sich wie ein Fjord ins Landesinnere schlängelt. Wenn man Glück hat, erreicht man den Strand bei Ebbe und kann hier ein ganzes Stück an der verlassenen Bucht entlangwandern. Zu einer Pause lädt das Ards Coffee Tree Café mit heißem Tee und selbst gebackenem Kuchen ein; inklusive kostenlosem Blick auf die Bucht.

Wandern im Glenveagh Nationalpark

Wandern im Glenveagh Nationalpark kann einsam sein

Berge, Seen und ein Schloss im Glenveagh National Park

Wandern im Glenveagh National Park ist etwas anspruchsvoller als im Ards Forest Park, je nachdem wie man die Wanderung in dem 16.000 Hektar großen Areal gestaltet. Eine sehr schöne Strecke ist die vom Besucherzentrum des Parks bis zum im Tal gelegenen Glenveagh Castle. Von der rauen Abgeschiedenheit der Berge wandert man stetig am Fluss entlang Richtung Schloss. Mit etwas Glück erhascht man von hier einen Blick auf Teile der Rotwildherden, die in dieser Region zu den größten Herden Irlands zählen. Auch ist es der Parkverwaltung gelungen, den bereits ausgestorbenen Steinadler wieder anzusiedeln. Ein weiteres Naturspektakel sind der Blick auf den Mount Errigal, der höchste Berg Donegals, sowie der Gletschersee Lough Beagh gleich neben dem Schloss.

Glenveagh Castle

Das idyllische Glenveagh Castle, Co. Donegal

Verlängern lässt sich die Wanderung durch die Berge mit einem ausgedehnten Spaziergang vom Lough Beagh zum Wasserfall oder (und das ist fast schon ein Muss, wenn man einmal hier ist) durch die prachtvollen Gärten des Schlosses. Verschiedene Themenwege führen durch diese botanische Oase, auf denen man Flora und Fauna aus aller Welt bewundern kann. Zum krönenden Abschluss dieser Tour lädt ein Besuch des Glenveagh Castles inklusive Café mit romantischer Terrasse ein.

Horn Head Donegal

Horn Head mit Sicht auf die See, Co. Donegal

Von Horn Head über schroffe Felsen und Steilklippen bis ans Meer

Die Rundwanderung um die Landzunge Horn Head gehört definitiv zu meinen Favoriten. Von dem Örtchen Dunfanaghy geht es steil und steinig hinauf Richtung Klippen. Der Weg ist nur durch einen Trampelpfad gekennzeichnet, sodass man hier genau darauf achten sollte, wo man entlangläuft. Dabei kann es auch schon mal vorkommen, dass man mitten durch eine Schafherde wandert. Der Blick von der Spitze des Horn Heads ist atemberaubend. An klaren Tagen kann man bis zu vorgelagerten Insel Tory Island schauen. Auch das Tierreich weiß diesen ruhigen Ort zu schätzen. Mit etwas Geduld beobachtet man von der Höhe der Klippen aus zahlreiche Vogelschwärme und, je nach Jahreszeit, auch ihre Nistplätze.

Horn Head

Der malerische Horn Head, Co. Donegal

Von der Spitze aus geht es langsam wieder bergab, auf dem weichen Moosboden federnd Richtung Tramore Beach. Dieser Strand ist ein weiteres Highlight und eine absolut lohnenswerte Belohnung am Ende der Wanderung. Keine Menschenseele weit und breit, außer vielleicht ein paar Surfer aus dem angrenzenden Dunfanaghy, ein wohlbekannter Surfspot. Auch wenn es noch ein paar Meter durch die Dünen zurück zum Ausgangspunkt sind, sollte man sich eine Pause gönnen und vielleicht auch mal die Wanderschuhe beiseitestellen. Das Wasser ist wunderbar erfrischend.

Mein Fazit: Eine Perle im Norden Irlands, die entdeckt werden will

Wer den Weg nach Donegal findet, wird die Region, gerade was das Wandern angeht, für seine Vielseitigkeit lieben. Zwar sind die Wanderwege hier nicht immer gekennzeichnet, jedoch gibt es ausreichend Kartenmaterial und Wanderbücher, die bei der Orientierung helfen. Donegal ist etwas für Abenteurer und Entdecker, also all jene, die Irland auf eigene Faust erforschen möchten. Abgerundet wird ein ausgedehnter Wandertag durch ein ebenfalls vielseitiges Rahmenprogramm. Ob Kultur, Musik oder kulinarische Genüsse, aus meiner Sicht bietet Donegal eine ganze Fülle an irischem Lebensgefühl.

 

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Über den Autor

Daniela Kluetsch

Daniela Kluetsch

In meiner Kindheit habe ich nahezu jeden Sommer in Irland verbracht. Seither fühle ich mich eng mit der Grünen Insel verbunden und entdecke sich immer wieder neu. Heute liebe ich es dort in der rauen Natur zu wandern, im Atlantik zu surfen oder einfach nur über Märkte zu schlendern und in gemütlichen Cafés zu entspannen. Wenn ich über Irland schreibe, spricht die Liebe zu einem einzigartig ursprünglichen Land aus meinem Herzen.

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