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Irland mit dem Planwagen erkunden – Teil 1

Irland Planwagen
Ina Brecheis
Written by Ina Brecheis

Irland mit dem Planwagen zu erkunden, ist ein kleines Abenteuer und eine ganz besondere Art, die Schönheit der Grünen Insel und die Herzlichkeit ihrer Bewohner kennenzulernen. Mit jedem gemächlichen Schritt des Pferdes lässt man die Hektik des Alltags ein Stück weiter hinter sich. Morgens das Pferd anzuschirren, tagsüber unterwegs zu sein und den Abend im gemütlichen Planwagen ausklingen zu lassen, ist eine Art von Entspannung, wie man sie im Urlaub selten erlebt. Heute darf ich Sie im Geiste mitnehmen auf meine Planwagentour durch Wicklow, die ich für gruene-Insel.de im Mai 2018 gemeinsam mit unserer Filmerin Sofia Samoylova unternommen habe. Meine Erlebnisse und Erfahrungen möchte ich hier mit Ihnen teilen.

Der Beginn eines Abenteuers

Die Farm der Familie Clissmann, die bereits seit 49 Jahren Planwagentouren durch das dichte Grün Wicklows anbietet, liegt auf einer malerischen Weidefläche umsäumt von dicht stehenden Tannen, Fichten und strahlend gelb blühenden Ginsterhecken. Die bunt angemalten Planwagen, die in den nächsten Tagen unser trautes Heim sein werden, stehen aufgereiht auf einer saftigen, grünen Wiese. Dahinter weiden die Pferde. Ich bin freudig aufgeregt. Seit meiner Pferdephase als Teenie (und das ist nun doch schon länger her, als mir lieb ist) hatte ich nichts mehr mit Pferden zu tun. Mit diesen anmutigen Tieren, die eine solch ruhige Kraft ausstrahlen. Wir stellen unseren Mietwagen auf dem Parkplatz vor der Rezeption ab und werden sogleich von Neasa Clissmann und ihrem Mann Alan begrüßt. Nach einem netten Gespräch mit den beiden, können wir unseren Planwagen beziehen, mit dem wir morgen in der Früh losziehen werden. Wir fahren noch ein paar Kleinigkeiten im nächsten Ort einkaufen, um für die kommenden Tage ausgerüstet zu sein. Den Abend verbringen wir bereits in der wohligen Gemütlichkeit des Planwagens. Nach diesem Tag mit all den Eindrücken schlafe ich so gut wie schon lange nicht mehr.

Irland mit dem Planwagen

Unser mobiles Zuhause

Ross und „Reiter“ lernen sich kennen

Am nächsten Morgen frühstücken Sofia und ich noch gemütlich und trinken eine dampfende Tasse Kaffee, bevor mich John zur Einweisung für das An- und Abschirren des Pferdes abholt. John ist ein Ire, wie er im Buche steht: leicht rötliche, blonde Haare, ein breites, gutmütiges Gesicht und ein Lachen, das von Herzen kommt. Auf der etwas kleineren Koppel entdecke ich ein einzelnes Pferd. John bestätigt meine Vermutung, dass das unser Reisegefährte für die kommenden Tage sein wird: Paddy. John erklärt mir, dass Neasa und Alan entschieden hätten, mir Paddy anzuvertrauen, nachdem wir uns gestern kennengelernt hatten. Pferd und Mensch müssen schließlich zueinanderpassen. Ich hole Paddy von der Weide und John beginnt mit seiner Unterweisung. Allmählich erinnere ich mich an mein vergrabenes Wissen um das Auf- und Absatteln, das Striegeln, das Füttern. Paddy wartet mit einer Engelsgeduld, bis er aufgeschirrt ist. Dann geht es unter den wachsamen Augen von John daran, Paddy vor den Wagen zu spannen. Auch das klappt ohne Probleme und ich bin ein klein wenig stolz auf mich. Ich schirre Paddy nochmals ab, denn bevor wir „on the road“ sein werden, stecken wir mit Alan und Neasa noch die Reiseroute für die nächsten Tage ab.

Sofia, Paddy und ich

Die letzten Vorbereitungen

Mit selbst gemalten Karten erklären uns Alan und Neasa, die Routen, die sie für uns vorgesehen haben. Wir besprechen gemeinsam, wo wir ankommen werden und wie wir sie unterwegs erreichen können. Sofia und ich fühlen uns nun bestens ausgerüstet und wir machen uns fertig für unsere Reise. Dann geht es daran, Paddy anzuschirren und ich bin froh, dass John wieder dabei ist, denn ob die Bremse nun in den vierten oder fünften Kettenring eingehakt wird, das ist mir dann doch nicht im Gedächtnis geblieben. John begleitet uns aus dem Areal auf die Straße hinaus, gibt uns noch einige letzte Hinweise, was wir zum Beispiel an Kreuzungen zu beachten haben, und verabschiedet sich dann von uns. Das Gefühl nun verantwortlich für sich und das Pferd zu sein, ist unbeschreiblich. Unbeschreiblich schön und befreiend. Jetzt gibt es nur noch uns und das Abenteuer. Das Wetter ist uns hold gesinnt und schon bald bahnen sich Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolken.

Durch Irland mit dem Planwagen

Die Straßen, über die wir in den nächsten Tagen mit dem Planwagen unterwegs sind und Wicklow entdecken, sind wenig befahren. Und wenn uns mal ein Traktor oder Auto überholt, tun sie das mit größter Vorsicht. Einmal fahre ich erschrocken zusammen, als es plötzlich neben uns laut hupt. Meine Gedanken fliegen zu hektischen, deutschen Autofahrern. Als das Auto aber neben uns vorbeizieht, sehe ich wie sein Fahrer, ein älterer Herr, und freundlich lächelnd zuwinkt. Ich erinnere mich an Neasas Worte, dass die älteren Leute auf dem Lande gerne zur Begrüßung auf die Hupe drücken. Paddy trabt unterdessen völlig ungerührt weiter. Professionell, wie er ist, ist er sogar etwas nach links ausgewichen. Was ein tolles Pferd!

Die nächsten Stunden und Tage durch Irland mit dem Planwagen ist ein einzigartiges Erlebnis. Das werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Das rhythmische Klappern von Paddys Hufen, das mal dunkle mal saftige Grün der Landschaft, die an uns vorbeizieht. Immer wieder blicken uns neugierige Augen aus weißen Wollknäueln entgegen, die uns genüsslich kauend, beobachten, als wir an ihnen vorbeiziehen. Mal ist es eine Herde Kühe, die uns anstarrt, mal sind es kleine Kinder, die am Zaun stehen, um uns zuzuwinken.

Planwagenreise Irland Wicklow

Kein Wunder, dass sich Paddy über das frische Grün freut!

Erfahrungen der Planwagentour

Diese kleinen, schönen und witzigen Momente garnieren eine tiefe Ruhe und Entspannung, die sich während der Reise bei uns einstellt. Unser anfänglich sprudelndes Gespräch hat sich gelegt und wir beobachten die Landschaft, hängen unseren Gedanken nach. Wir lassen alle Hektik hinter uns und kommen im Hier und Jetzt an. Der Rhythmus unserer Tage tut sein Übriges dazu. Ankommen, Paddy abschirren und absatteln, duschen, kochen, schlafen, aufwachen, Paddy aufsatteln und anschirren, unterwegs sein, ankommen … Es ist ein unglaublich befriedigendes Gefühl, wie wir alle miteinander, Sofia, Paddy und ich zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden. Ich lerne Paddy immer besser kennen. Sein Tempo, wann er eine kurze Pause braucht, wo er am liebsten gekrault wird (an den Ohren!) und was ihn entspannt. Viel zu schnell nähert sich unsere Reise durch Wicklow mit dem Planwagen ihrem Ende. Und fast bin ich ein wenig traurig, als ich Paddy auf Wiedersehen sagen muss. Für uns geht es nun weiter in die Grafschaft Mayo im Westen der Grünen Insel. Auch hier geht es mit dem Pferdewagen durch das Grün der Insel. Hier lesen Sie unsere Eindrücke und Erlebnisse zu Teil 2 der Reise.

Der Film zur Reise

Haben Sie Lust bekommen, die irische Landschaft mit Pferd und Planwagen zu entdecken? Hier finden Sie unsere Reiseangebote.

Über den Autor

Ina Brecheis

Ina Brecheis

Ich habe mich während meines Studiums in Dublin in Irland verliebt. Zuvor war da nur eine vage Anziehung zu diesem Land mit seiner lebensfrohen Musik und lebendigen Kultur. Dort war es dann um mich geschehen und ich habe eine unvergessliche Zeit auf der Grünen Insel verbracht. Seither zieht es mich immer wieder dorthin zurück. Umso mehr freue ich mich, über mein grünes Lieblingsland hier bei gruene-Insel.de zu schreiben.

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