Zum Inhalt wechseln


Foto

Die Verrückten Yanks Von Dingle


  • Please log in to reply
No replies to this topic

#1 Dirk

Dirk

    Member

  • Members
  • PIPPIP
  • 16 Beiträge:
  • Location:Kiel

Geschrieben 01 Oktober 2008 - 07:36

aus Spiegel-Online vom 01.10.2008:
Die verrückten Yanks von Dingle
Von Sascha Klettke

Guinness-Eis oder lieber Champagner-Sorbet? Bei Murphy's im irischen Örtchen Dingle gibt es das beste Eis der Welt. Das behaupten zumindest die Gebrüder Murphy - um ihre neuartigen Eis-Kreationen zu verwirklichen, nahmen sie sogar ein Hausverbot im benachbarten Pub in Kauf.

"Ich war Marketing-Manager in der Computer-Branche und sehr unglücklich", sagt Kieran Murphy - und grinst zufrieden. Der gebürtige US-Amerikaner steht in seiner kleinen Eisfabrik am Rande der irischen Kleinstadt Dingle. Dort rührt er heute das Eis zusammen, das seinen Namen trägt: Murphy's. Klassische Sorten sind im Angebot wie Schokolade und Vanille, aber auch exotische wie Guinness oder Brown-Bread.

Knapp drei Kilometer entfernt von der kleinen Fabrik wird das Eis verkauft. Die Filiale in der Hauptstraße des Urlaubsorts im Südwesten Irlands ist das Reich von Kierans Bruder Sean. Vor dem Tresen stauen sich die Kunden, die erst einen Löffel Eis zum Probieren gereicht bekommen und dann tief in die Tasche greifen müssen. 3,50 Euro kostet eine Kugel, Champagner-Sorbet sogar 5 Euro.

Die Geschichte von Murphy's Ice Cream begann vor rund zehn Jahren. Kieran Murphy nahm sich eine berufliche Auszeit, und seine Eltern, die irische Vorfahren haben, schickten ihn nach Dingle. Er sollte ein Haus kaufen, in dem sie nach der Pensionierung leben wollten.

Irland wie im Bilderbuch

Auf der Halbinsel Dingle wird das irische Klischee lebendig: Die Hügel sind bedeckt mit grünen Wiesen, auf denen Kühe weiden. Schroffe Klippen fallen steil ins Meer ab, und die Brandung des Atlantik schlägt an Sandstrände. Der Ort Dingle ist ein Fischerort, den ein Film und ein Tier zur Touristenattraktion gemacht haben. Anfang der der Siebziger wurde der mit zwei Oscars prämierte Film "Ryan's Daughter" in der Gegend gedreht. Seit 25 Jahren hat sich der Delfin "Fungi" die Bucht von Dingle als Bleibe ausgesucht. Seitdem schwimmt er dort fröhlich herum und springt mit bemerkenswerter Ausdauer neben den Touristenbooten aus dem Wasser.

Kieran Murphy ging noch einmal in die USA zurück. Doch nach einem halben Jahr war ihm klar, dass er sein Leben umkrempeln wollte. Er plante, in Dingle einen Eisladen zu eröffnen - mit seinem Bruder Sean. Der fragte in Deutschland nach, wie seine Kollegin Wiebke die Idee findet. Die beiden arbeiteten damals bei einer deutschen Naturkosmetik-Firma, hatten sich auf einer Außendiensttagung kennen gelernt und verliebt. Wiebke guckte sich Dingle an und sagte ja.

Dann begannen die Experimente für das "beste Eis der Welt". "Normalerweise denkt ein Eisproduzent: Welche Zutaten kann ich nehmen, wenn eine Kugel einen Euro kostet? Unser Ansatz war: Wir machen das Eis aus den besten Zutaten und gucken dann, was es kosten muss", erklärt Sean Murphy.

Es sei in der Anfangphase gar nicht so einfach gewesen, Lieferanten zu finden, die in das abgelegene Dingle verkaufen wollten. "The crazy Yanks in Dingle" hätten die Vertreter sie genannt - zum Beispiel wenn sie kein günstiges Eigelb in Plastiktüten kaufen wollten, sondern frische Eier. Inzwischen verhandeln selbst Supermarktketten mit den Murphy-Brüdern: Sie wollen deren Eis in die Tiefkühltruhen der Läden stellen. Doch "Murphy's Icecream" gibt es nur in Murphys eigenen Cafés in Dingle und Kilkenny und in einigen irischen Feinkostläden zu kaufen.

Vollwert-Kost und Marketing-Profis

Dass aus der Idee zweier Job-Aussteiger ein wirtschaftlicher Erfolg wurde, liegt wohl daran, dass die Murphys eine nicht allzu häufige Kombination vorweisen können: anthroposophische Erziehung plus Wirtschafts-Knowhow. Ihre Mutter legte viel Wert auf gesunde Ernährung. Zu Hause gab es Vollwertkost aus Biozutaten und anschließend leckeren (und kalorienreichen) Nachtisch. Der Vater arbeitete in einer anthroposophisch orientierten Firma, die Söhne gingen auf die Waldorfschule.

"Das alles hat uns geprägt", sagt Sean Murphy. Und so schwärmen sein Bruder Kieran und er von der naturbelassenen Milch der Kerry-Kühe und von den mehr als ein Dutzend Schokoladeneis-Sorten, die sie schon kreiert haben. Und wenige Sätze später analysieren sie aus dem Blickwinkel der Marketing-Profis, warum sie das teure Eis verkaufen können.

"Mit dem Wirtschaftsaufschwung Ende der neunziger Jahre gab es Irland plötzlich eine Nachfrage für Lifestyle-Produkte, aber kaum Angebote," erklärt Sean Murphy. In diese Lücke seien sie gestoßen. Und seine Frau Wiebke erklärt, dass Eis als Leckerei für Erwachsene in Irland nahezu unbekannt gewesen sei: "Eis war etwas für Kinder, für die gab es Softeis aus der Tüte."

Wiener Sachertorte nach Kieler Rezept

Wiebke Murphy kommt ursprünglich aus Lübeck. Für sie ist eine eigene Rubrik auf der Speisekarte der beiden Läden von "Murphy's Icecream" reserviert - für ihre selbst gebackenen Kuchen und Torten. Ihre Spezialität ist eine Sacher-Torte nach dem Rezept ihrer Kieler Tante. Inzwischen haben sich ihre Backkünste herumgesprochen: Das Fünf-Sterne-Hotel in Dingle vermittelt Hochzeitspaare an die Deutsche, damit sie ihnen die Torte für die Feier backt.

In den Sommermonaten ist Dingle ein quirliger Ort: Jeden Tag kommen Touristenbusse an, auf der Durchfahrtsstraße ist Stau, und vor dem Eisladen bummeln jede Menge Passanten vorbei. Doch jetzt, wenn es Herbst wird, verwandelt sich der Ort wieder in ein großes Dorf, in dem die Einheimischen die Mehrheit in den Pubs bilden. "Diese Mischung aus viel Trubel im Sommer und der Ruhe im Winter ist, was das Leben hier für mich so angenehm macht", sagt Sean Murphy, "eigentlich bin ich kein Dorf-Typ."

Die Touristensaison prägt auch das Eisgeschäft: 90 Prozent des Jahresumsatzes machen die Murphys im Sommerhalbjahr, das Winterhalbjahr bringt den kümmerlichen Rest. Dann aber haben Kieran Murphy und seine Mitarbeiter endlich Zeit, neue Sorten zu erfinden. Und dafür ist ihnen fast kein Aufwand zu groß.

Pub-Verbot wegen Biermissbrauchs

Beim Guinness-Eis zum Beispiel musste der richtige Umgang mit dem irischen Nationalgetränk erst geübt werden. Das Problem: Wenn das Bier im Originalzustand zum Eismachen verwendet wird, wird das Eis zu wässrig. Die Lösung, die Murphy nach einigem Herumprobieren gefunden hat: Das Bier wird erhitzt, so dass zwei Drittel der Flüssigkeit verdunsten. Das passiert jetzt auf einer Kochplatte mitten in der Fabrik. "Hier stinkt alles nach Guinness, wenn wir es einkochen", sagt er.

Am Anfang hatte die Bier-Eis-Produktion für ihn auch persönliche Folgen: "Als die Wirtin des benachbarten Pubs erfuhr, dass ich ein von ihr gezapftes Pint ins Eis gekippt habe, war sie entsetzt. Ein paar Monate lang durfte ich mich da nicht blicken lassen." Inzwischen hat Kieran Murphy aber kein Hausverbot mehr in den Kneipen von Dingle - wenn die langen Winterabende kommen, ist das wohl auch besser so.


Rezept für Chocolate Love (Schokoladen-Eis mit Himbeeren)

Chocolate Love (Schokoladen-Eis mit Himbeeren),
Wiebke Murphys Lieblingsrezept

Zutaten:

100 Gramm und 20 Gramm Zucker
4 Eigelb
220 Milliliter Milch
200 Milliliter Sahne
150 Gramm und 20 Gramm dunkle Schokolade (70 Prozent)
125 Gramm frische Himbeeren

Rezept für acht Portionen


Geben Sie die Himbeeren in eine Pfanne, fügen Sie 20 Gramm Zucker hinzu, und erhitzen Sie die Mischung so lange auf kleiner Flamme, bis der Zucker sich komplett aufgelöst hat.

Pressen Sie die heißen Himbeeren mit einem Löffel oder einem Spatel durch ein Sieb, um die Kerne zu entfernen, und lassen Sie sie dann komplett abkühlen.

Schmelzen Sie 150 Gramm Schokolade im Wasserbad oder in der Mikrowelle. Seien Sie vorsichtig: Schokolade schmilzt schon bei niedriger Temperatur (circa 37 Grad Celsius) und brennt leicht an.

Schlagen Sie den restlichen Zucker und das Eigelb zusammen auf, bis die Mischung blassgelb ist.

Die Milch in der Pfanne zum Kochen bringen.

Die heiße Milch langsam in die Ei- und Zucker-Mischung gießen und dabei rühren. Die Mischung zurück in die Pfanne gießen und bei niedriger Hitze auf den Herd stellen.

Kontinuierlich rühren bis die Eiercreme etwas dicker wird (bei circa 65 bis 70 Grad Celsius). Bitte nicht überhitzen: Bei circa 75 Grad produzieren Sie Rührei. Dann sofort vom Herd nehmen!

Fügen Sie die geschmolzene Schokolade in kleinen Teilen dazu und mischen Sie gut durch, bis die Masse fein und samtig ist.

Füllen Sie die Schokoladen-Eiercreme in eine Schüssel, bedecken Sie sie mit Plastikfolie und stellen Sie sie so lange in den Gefrierschrank, bis die Creme kalt ist.

Rühren Sie die pürierten Himbeeren hinein.

Schlagen Sie die Sahne, bis sie ihr Volumen verdoppelt hat, und rühren Sie sie vorsichtig in die Schokoladen-Eiercreme.

Schneiden Sie mit einem Kartoffelschäler oder einem Käsemesser Späne von den restlichen 20 Gramm Schokolade und rühren Sie die in die Mischung.

Lassen die Mischung gefrieren - entweder mit einer Eismaschine - oder bedecken Sie die Mischung und stellen Sie sie in den Gerrierschrank. Sie sollte alle paar Stunden umgerührt werden, um die Eiskristalle aufzubrechen.

Wenn Sie eine Eismaschine benutzen, dann füllen Sie die Mischung in einem gefrierfesten Behälter, wenn das Eis eine halbfeste Konsistenz erreicht hat (nach circa 15 Minuten). Stellen Sie es in den Gefrierschrank, bis es fest ist.

Tipps aus der Küche

Sie können die Menge der Himbeeren verdoppeln, wie beschrieben zubereiten und dann die zweite Hälfte als Garnierung für das Eis nehmen.

Die Schokolade und die Eier-Zuckercreme müssen beide warm sein, wenn sie gemischt werden - oder Sie bekommen keine gute Emulsion hin.

Auch noch zu beachten: Wenn Sie die Schokolade in kleinen Mengen zur Eiercreme hinzufügen, rühren Sie jede Portion gleich ordentlich in die Mischung ein.