Irland und Tiefenentspannung: Warum die grüne Insel nicht nur was für (normale) Touristen ist

Einsames Haus bei Connemara in Irland

Für „Halligalli“ ist Irland nicht bekannt – dafür aber eine Ruhe, die nur aus einem dünnbesiedelten Land entspringen kann, in dem die Uhren noch langsamer laufen, die Natur weit und die Landschaft unergründlich ist.

Jeder, der sich schon mal in Irland aufgehalten hat, und sei es nur für einen geschäftlichen Kurztrip in eine der größeren Städte, der kann eines bestätigen: In Irland ticken die Uhren irgendwie anders. Hier herrscht generell weniger Hektik. Das ganze Land wirkt geradezu entschleunigt und etwas aus unserer hektischen, mitteleuropäischen Zeitrechnung gefallen. Wer durch die kleinen Dörfchen und Marktflecken fährt, der sieht sofort, was damit gemeint ist: Keine rennenden, gehetzt wirkenden Menschen. Keine im Stau stehenden und energisch hupenden Autofahrer. Stattdessen Landleben, wie es im schönsten Themenmagazin nicht besser dargestellt werden könnte: Freundliche Nachbarn am Gartenzaun, mit Moos und Blumen berankte Cottages und immer wieder diese sanft geschwungenen, von sattem Grün bewachsenen Hügel, die sich durch die unberührte Natur ziehen. Maler und Fotografen könnten hier ein ganzes Leben verbringen und hätten dennoch nicht jeden Moment, jedes Spiel von Licht und Schatten auch nur ansatzweise eingefangen.

Und genau liegt auch einer der großen Vorteile Irlands für alle Touristen, die nicht nur für klassisches Sightseeing auf die Insel kommen. Die nicht nur mit der ganzen Familie durch die Landschaft wandern und dabei die Tierwelt bestaunen wollen, sondern wirklich die Erholung suchen. Um diesen Personenkreis und wie er in Irland am besten abschalten kann, dreht sich der folgende Artikel.

Street crowd

Wo so viele Menschen zusammenkommen, wie in Deutschlands Städten, da wird es niemals wirklich ruhig. Und dieser Dauerlärm macht durchaus auf Dauer krank.

Wer benötigt eigentlich die irische Ruhe?

1. Gestresste Städter

In der Bundesrepublik leben 75,09 Prozent aller Menschen in Städten – damit liegt Deutschland zwar insgesamt gesehen eher im Mittelfeld Europas aber weit über Irland. Hier ist der Urbanisierungsgrad deutlich geringer, nur 62,95 Prozent der Iren leben städtisch. Dahinter kommen bis auf Portugal nur noch Länder aus Ost- und Südost-Europa. Dieser Urbanisierungsgrad, der im Übrigen alljährlich weiter steigt, bedeutet für die Städter Deutschlands aber auch:

  • Dauernder Verkehrslärm, der auch spätnachts und am Wochenende nie wirklich abebbt.
  • Hohe Wohndichte mit vielen Nachbarn, Nachtleben und Einkaufsmöglichkeiten. Auch das erzeugt Lärm und Stress.
  • Außerhalb von Parks eine vergleichsweise nichtexistente Natur und somit wenig „echte“ Frischluft und Möglichkeit, wirklich in Ruhe auszuspannen.

Allein weil sie daran gewöhnt sind, empfinden viele Städter diese Punkte gar nicht als änderungsbedürftig – nur jeder Zweite fühlt sich durch städtischen Dauerlärm wirklich belastet. Wer allerdings in Dublin, Shannon oder Cork landet und aus der Stadt herausfährt, der merkt meist rasend schnell, wie krass der Gegensatz im ländlichen Irland ist. Und schon wenige Tage können ausreichen, um all diesen Urbanisierungsstress, der sich unbemerkt angesammelt hat, vergessen zu machen. Allerdings, das sei gesagt: Viele sehen danach ihr städtisches Leben mit anderen Augen und kommen zurück sooft es möglich ist.

Cheerful old friends having fun watching a football game on TV and drinking draft beer at bar counter in pub.

Keine langjährigen Freunde, sondern eine Szene aus einem typischen Pub in Irland. Die Iren sind ein sehr offenes und fröhliches Volk – das steckt an.

2. Depressionspatienten

Über zwanzig Prozent aller Menschen erkranken während ihres Lebens an einer Depression. Und auch ihnen kann die sprichwörtliche irische Ruhe und auch die Art der Iren Linderung verschaffen: Depressionen sind zwar teilweise auch erblich bedingt, werden aber auch durch hohen Langzeit-Stress zumindest begünstigt. Und das bedeutet, wer an Depressionen oder anderen, durch die Kombination von zu viel Stress und zu wenig Entspannung ausgelösten Krankheiten leidet, findet durch Irlands Ruhe einen passenden Gegenpol.

In vielen dieser Fälle verschreiben Ärzte gerne Kuraufenthalte. Allerdings gibt es auch Menschen, für die ein solcher Trip nichts ist: Die Alternative kann ein mehrwöchiger Urlaub im ländlichen Teil Irlands sein. In fast jedem Dörfchen finden sich Gasthäuser mit Zimmern oder privat betriebene Pensionen. Nach dem Einchecken kann ein Urlaub für diesen Patientenkreis einfach daraus bestehen, abzuschalten. Gehen Sie wandern, schauen Sie sich die stimmungsvollsten irischen Orte an  und geben Sie der Seele Zeit, sich zu kurieren. Zudem gilt: Die Freundlichkeit und Offenheit der Iren macht es auch sehr introvertierten Menschen einfach, sich einfach mal mit Fremden bei einem Guinness im örtlichen Pub über Gott und die Welt zu unterhalten und so einfach alles zu vergessen, was auf die Seele drückt.

Mad agressive man designer looking on monitor and shouting

Steigende Arbeitsbelastung bringt jeden irgendwann an den Rand eines Tobsuchtsanfalls. Die Heilung aller Stadien von Brunout lautet: Ruhe. Und die gibt es in Irland zuhauf.

 3. Burnout-Patienten

Das Burnout-Syndrom hat sich in den vergangenen Jahren in den westlichen Nationen zur Zivilisationskrankheit Nummer Eins entwickelt. Burnout-Fachkliniken und fast sämtliche Mediziner setzen auf ein Gegenmittel: Maximale Ruhe. Und aus diesem Grund ist Irland auch für von der Arbeit Zermalmte, vom einfachen Büroarbeiter bis zum Manager, die richtige Anlaufstation.

Der wohl wichtigste Punkt ist hier die totale Abwesenheit von Arbeit und dem typischen „Urlaubsstress“, wie er in klassischen südlichen Badeorten unvermeidlich ist: Wer seine Tage mit Wandern, Lesen und Entdecken verbringt, der vergisst rasend schnell Projekte, durchgearbeitete Wochenenden und Chefs, die immer nur ein Wort kennen: „Mehr!“.

4. Landschaftsfotografen / -maler

Ja, auch Künstler benötigen ihre Ruhe, um sich auf ihre Werke konzentrieren zu können. Allerdings kommt diesem Personenkreis die irische Entspanntheit etwas anders zupass, als den drei zuvor genannten Gruppen: Irland ist schlichtweg malerisch und dabei landschaftlich stringent und gleichzeitig divers. Hier Kamera und Stativ oder die Staffelei aufzubauen, bietet unzählige Möglichkeiten, seine Kunst voll auszuleben, ohne dass einem die Motive ausgehen. Was den Künstlern in Irland aber in Sachen Ruhe dennoch zupass kommt: Auf dem Land herrscht auf der Insel mehr als genug Einsamkeit, dass einem nicht andauernd andere Touristen über die Schulter schauen oder man minutenlang warten muss, bis das Motiv vor der Linse frei von anderen Menschen ist.

Coumeenole Beach, Dingle 01

Der Coumeenole Beach gilt als einer der schönsten Orte der Welt – und ist dennoch nicht von Touristen überlaufen, was ihn von vielen anderen Punkten mit diesem Prädikat unterscheidet.

Wie findet man in Irland Ruhe?

Eigentlich müsste die Frage korrekterweise lauten: Wo findet man in Irland keine Ruhe? Denn die Antwort darauf wäre wohl sehr viel weniger umfangreich. Grundsätzlich ist die ganze Insel ein Hort der Ruhe. Selbst Dublin kommt als Hauptstadt der Republik nur auf rund 500000 Einwohner – vergleichen Sie das mal mit den größten deutschen Städten von Berlin über Hamburg, München und Köln, die alle die Millionengrenze längst überschritten haben. Schon Cork als zweitgrößte Stadt Irlands kommt nur noch auf gut 120000 Menschen und danach gibt es keine Stadt mehr mit mehr als 60000 Einwohnern.

Das bedeutet: Selbst in den irischen Zentren herrscht durch die geringere Anzahl an Menschen sehr viel weniger der Hektik, die für Großstädte so typisch ist. Und je weiter Urlauber sich von diesen „Metropolen“ entfernen, desto langsamer wird das Leben.

  • Wer das Meer liebt, sollte einen Blick auf das Städtchen Ballyshannon im County Donegal im Nordwesten der Insel werfen – übrigens der älteste dauerhaft besiedelte Ort Irlands. Hier lassen sich nicht nur Ausflüge in die Natur starten, sondern auch Angeltrips sowohl aufs Meer, als auch den zahlreichen Flüssen und Bächen organisieren.
  • Auch das Hafenstädtchen Dingle ist ruhig – und kam sogar im Roman „Der letzte seiner Art“ des Autors Andreas Eschbach als Hauptschauplatz zu literarischen Ehren. Was die Gegend aber als Erholungsort so besonders macht, ist der Coumeenole Beach, den das National Geographic Magazine zu einem der schönsten Orte der Welt erklärte. Hier ist Einsamkeit das Gebot. Und die unwirkliche Schönheit des Strandes, in den die grünen Hügel fast hineinzufließen scheinen.
  • Cahir im südlichen Zentrum der Insel ist seit langem ein Sehnsuchtsort für Wandertouristen. Vor allem weil hier die Natur rundherum fast unberührt ist und sich rundherum einige malerische Ruinen befinden, lässt sich auf Wandererfüßen ohne Auto vieles erlaufen und entdecken. Ein Tipp: Nur rund 20 Kilometer weiter nördlich findet sich der Rock of Chashel, ein Berg, der als eines der Wahrzeichen Irlands gilt und auf dem diverse erhaltene Bauten aus dem Mittelalter stehen.

Grundsätzlich gilt für Ruhesuchende in Irland: Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Orte in diesem Land. Ruhe und Entspannung findet sich tatsächlich überall. Allerdings bedeutet das auch, dass Reisende sich darauf einlassen müssen: „Mal eben schnell“ geht hier gar nichts und entspräche auch nicht dem Charakter der Einwohner. Der beste Ratschlag, den man Ruhebedürftigen geben kann, ist folgender: Suchen Sie sich ein schönes Örtchen aus, telefonieren oder mailen Sie mit dem Besitzer des örtlichen Bed & Breakfast und sehen Sie zu, dass Sie auf schnellstem Weg dorthin kommen. Alles Weitere ergibt sich fast von selbst: Wer einfach nur über Wiesen und Weiden schlendern und seinen Gedanken nachhängen will, findet überall auf der Insel ebenso etwas passendes, wie derjenige, der vielleicht doch nicht ganz auf Sightseeing verzichten will und eine Rundreise plant.

 Fazit

Irland bietet etwas für jeden. Abseits klassischer Touristen, die Land und Leute kennenlernen wollen, kommt aber vor allem die Ruhe und Abgeschiedenheit der irischen Dörfchen zum Tragen: Hier finden gestresste und von innerstädtischer Dauerbeschallung geplagte Menschen Möglichkeiten, den Alltag hinter sich zu lassen und abzuschalten. Depressive finden in der rauen Landschaft und der Herzlichkeit ihrer Bewohner vielleicht den Funken, der in ihnen wieder die Lebensgeister weckt. Und Schöngeister finden hier jede Menge „Augenschätze“, die sie in aller Seelenruhe mit Pinsel und Fotoapparat einfangen können.

 Bildquellen:

1) fotolia.com© grafxart

2) fotolia.com© Dmitry Nikolaev

3)fotolia.com© Nejron Photo

4)fotolia.com© vadymvdrobot

5) www.irelandscontentpool.com

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